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Amazons «Suche im Buch»: Lesen ohne Kauf

14. Nov 2003 07:22
Bei Amazon.com können Kunden online Bücher lesen, ohne sie zu kaufen. Während die Firma steigende Umsätze feiert, sorgen sich die Autoren, dass ihre Werke weniger Käufer finden könnten.

Im Oktober eröffnete Amazon.com eine der Buchwelt vollkommen neue Tür. Eine «Suche im Buch» macht dem Online-Kunden den gesamten Inhalt eines Buches zugänglich. Der Kunde zahlt dafür per Kreditkarte.

Zusätzlich zu dem schon seit längerem bei einigen Büchern angebotenem «Look inside the book»-Angebot, ein Angebot zum «Reinschnuppern», bei dem ein paar Seiten eines Buches dargeboten werden, können Leser jetzt konkret nach Stichwörtern suchen und prüfen, ob sie in einem Buch finden, was sie suchen.

Was im Buche steht

Während vor ein paar Wochen die Stichwörter «Kürbis» oder «Bars in Buenos Aires» im Suchfeld des Online-Buchladens nur Bücher mit diesen Worten im Titel oder Untertitel hervorgebracht hätte, werden jetzt auch die Texte von 120 000 Büchern durchsucht und Rezepte und Urlaubstipps aus deren Inhalt aufgeführt. 190 Verlagshäuser waren beim Launch des Dienstes im Oktober bereits dabei, 37 weitere möchten sich nun anschließen.

Überzeugende Nützlichkeit

Mehr in der Netzeitung:
Nachdem das Programm schon viele Buchfreunde begeistern konnte, reagieren andere eher verhalten. «Auf diese Weise entdecken die Leute Bücher, von denen sie gar nichts wussten,» sagte Steve Kessel, Vizepräsident der Amazon-Mediengruppe, dem «Christian Science Monitor». Die Firma will keine konkreten Zahlen nennen, gab aber an, dass der neue Service die Verkäufe in allen Buchkategorien stark ansteigen ließ.

Das Magazin «Wired» nennt die neue Suchmaschine «ein starkes, sogar überwältigendes Serviceprogramm»; Bibliothekare, Rechtsanwälte und Journalisten seien von dessen Nützlichkeit überzeugt. Andere Beobachter der neuen Entwicklung befürchten, die Suchmaschine mache es den Leuten zu leicht, Bücher nach nützlichen Informationen zu durchsuchen und sie dann nicht zu kaufen.

Nicht mehr als 20 Prozent

Mehr im Internet:
«Als wir von dem Programm hörten, dachten wir, es sei unmöglich, mehr als fünf Seiten eines Buches auf diese Weise lesen zu können» kommentiert die amerikanische Autorenorganisation «Authors Guild» in einer Stellungnahme auf ihrer Website. «Aber es ist ganz einfach, wenn auch etwas umständlich, 100 fortlaufende Seiten eines Buches zu lesen und sogar auszudrucken.» Bücher mit kurzen nützlichen Informationen wie Kochbücher, Reisebücher oder auch Bücher mit Universitätstexten könnten auf diese Weise Einbußen erleiden.

Amazon begrenzt die Ansicht allerdings bereits auf nicht mehr als 20 Prozent vom Inhalt eines Buches pro Monat, und das Downloaden von Texten ist nicht möglich. Auch das Drucken hat Amazon stillschweigend erschwert, in dem man die Print-Funktion für den Internet Explorer, den am weitesten verbreiteten Web Browser, gesperrt hat. Natürlich bleibt die Möglichkeit, die aktuelle Seite über die Screenshot-Funktion zu drucken oder einen anderen Browser zu benutzen. Trotzdem werden solche Komplikationen die meisten Nutzer davon abhalten, Bücher zu «stehlen», wie auch Paul Aiken von der Authors Guild meint: «Das Sperren der Printfunktion wird das Risiko geringerer Verkäufe verringern, aber man darf gespannt sein, was an Buch-Piraterie in Zukunft zu erwarten sein wird.»

«Copyright wird unterwandert»

Für Professor Stephen Bainbridge von der University of California ist Amazon gleichzusetzen mit Tauschbörsen wie Kazaa: «Amazon schafft Studenten die Möglichkeit, über das Internet die Copyright-Rechte zu unterwandern», schreibt Bainbridge in seinem Weblog. Wie Trademarks und Patente dient das Copyright dem Autor zur ökonomischen Absicherung seiner Kreativität, obwohl Verlage und Autoren gerade in den USA selten Tantiemen erhalten, wenn ihre Bücher weiterverkauft, verliehen oder fotokopiert werden.

Kritiker der Buchsuche von Amazon fürchten, dass die Verfügbarkeit im Netz das Gleichgewicht ins Wanken bringen könnte und viele Autoren sich eine andere zusätzliche Arbeit werden suchen müssen. Die starke Zunahme der Online-Medien hat zu dem Streit geführt, was eine Copyright-Verletzung ist und was nur fairer Gebrauch, und ob die Online-Rechte für Gedrucktes eher beim Autor oder beim Verlag liegen sollten.

 
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