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Web-«Werbekrokodil» hat Identitätskrise

31. Okt 2003 11:06
Gator - verantwortlich für aggressive Online-Reklame - will sein Image verändern. Der erste Schritt der US-Firma: Ein neuer Name musste her.

Die US-Web-Werbefirma Gator will nicht mehr Gator heißen - auch, weil dieser Name für das Image des Online-«Werbekrokodils» steht, das den Nutzern unerwünschte Pop-Up-Werbung sowie so genannte Spyware auf die Festplatte spielt. Stattdessen nennt sich das umstrittene Unternehmen nun «Claria Corporation», sein neuartiges Geschäftsfeld, das eigentlich das alte ist, heißt «Online-Verhaltens-Marketing». «Wir glauben, dass der Name Claria uns erlaubt, unsere Angebotsbreite für Kunden und Werbetreibende besser zu kommunizieren», hieß es zur Begründung von Firmenchef Jeff McFadden. So sollen auch Top-Kunden weniger Angst vor dem Gator-Image haben.

Schlechtes Image

Mehr in der Netzeitung:
Das ist nach wie vor denkbar schlecht: «GAIN», wie Clarias umstrittenes Werbeprogramm heißt, spielt den Usern einiger bekannter kostenloser Programme eine Software auf den Computer, die die besuchten Websites aufzeichnet (von Usern als Spyware bezeichnet), diese dann auswertet und dann Nutzern zusätzliche Werbung anzeigt. Claria setzt sich damit vor die Seiten anderer, manchmal erscheint gar die Reklame eines direkten Konkurrenten, wenn ein User mit GAIN eine Website besucht.

Claria musste unter dem Namen Gator deshalb zahlreiche Rechtsstreits über sich ergehen lassen - bei einigen, etwa großen US-Online-Zeitungen, legte man die Prozesse gegen Zahlung von Vergleichssummen bei. Die Pop-Ups sind durchaus erfolgreich, so wirbt selbst American Express mit GAIN.

Verleumdungsklagen

Mehr im Internet:
Die neue Claria-Initiative ist bei Gator nicht auf die Namensänderung beschränkt. Kurz davor begann das Unternehmen, andere Firmen, die es der Spyware bezichtigten, wegen Verleumdung zu verklagen. Ein PC-Sicherheitsanbieter legte den Streit bereits bei und benutzt den Ausdruck «Spyware» im Zusammenhang mit GAIN nun nicht mehr. Das Verfahren stützt sich dabei auf rein technische Formsachen - so meint Claria, man teile den Nutzern immer klar mit, was man mit ihren Rechnern tue. Allerdings klicken viele User derlei Kleingedrucktes einfach weg. Claria sieht seine Software auch deshalb nicht als Spyware, weil der User ja einen Nutzen habe - immerhin käme er dank GAIN an kostenlose Programme. Wer die Werbe-Software dennoch von seinem Rechner entfernen will, findet mit «Ad-Aware» ein kostenloses Tool im Internet.
 
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