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«Google verspielt positives Image»

09. Okt 2003 11:33
Google-Spam macht Googles Suchergebnisse bei populären Suchbegriffen immer unbrauchbarer. Die Netzeitung sprach mit Walter Hempe vom Projekt Spam-report.de.

Spam-report.de betreibt seit Anfang September Aufklärungsarbeit in Sachen Suchmaschinen-Spam. Gründer des ehrenamtlichen Projektes ist Walter Hempe, der seit acht Jahre als Programmierer und Webdesigner tätig ist - unter anderem auch als so genannter «Suchmaschinenoptimierer», was ihn auf das Thema brachte.

Mehr im Internet:
Google-Spam nennt man irrelevante Suchergebnisse, die den Nutzer bei populären Suchergebnissen passende Seiten vorgaukeln, oft allerdings nur zum Generieren von bezahlten Klicks dienen oder bestimmte Angebote puschen sollen.

Netzeitung: Wie weit verbreitet ist Suchmaschinen-Spam inzwischen, beispielsweise bei Google?

Walter Hempe: Überall, wo jetzt schon im Internet Geld zu verdienen ist, tummeln sich auch die Spammer. Je besser sich das Produkt für den Internet-Verkauf eignet, desto heißer umkämpft sind die Kunden.

Netzeitung: Wer steckt hinter diesen Methoden?

Hempe: Im Internet kann mit relativ wenig Aufwand im Vergleich zu den anderen Werbemedien ein relativ grosser Erfolg erzielt werden, ein ideales Feld für alle, die mit wenig Einsatz viel verdienen wollen.

Je nach Methode sind es z.B. die Betreiber oder Webdesigner von den Seiten selbst, die mit Brückenseiten und Zusatzdomains ihre Treffer-Ergebnisse aufbessern wollen, Ranking-Firmen, die ihren Kunden mittels tausender Brückenseiten zu allen erdenklichen Suchbegriffs-Kombinationen Besucher liefern oder Firmen die einfach unzählige informationsleere Seiten erstellen, die dann mit Partnerprogramm-Links gefüllt werden.

Netzeitung:: Warum funktioniert der Google-Spam?

Hempe: Suchmaschinen sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen. Sie leben davon, dass Besucher auf die «gesponsorten Links» klicken. Das Ausfiltern von Spam verlangt ein grosses Mass an Aufwand für Suchmaschinen. Solange die Ergebnisse gut genug sind, dass viele Sucher kommen, und schlecht genug, dass viele auf die bezahlte Werbung klicken, gibt es für die Suchmaschinen eigentlich keinen Handlungsbedarf.

Netzeitung:: Sind seriöse Unternehmen tatsächlich bereit, sich auf solche Spammer einzulassen? Wer wirbt mit Google-Spam?

Hempe: Es gibt Ranking-Firmen, die ihren Kunden auf «diskrete» Art zu mehr Besuchern verhelfen. Ob die Firmen, die sich darauf einlassen, einfach nur nicht genau nachfragen, woher dieser warme Besucherregen kommt, oder ob sie «unseriös» sind, kann ich nicht beurteilen. Das Ergebnis ist auf jeden Fall Spam. Der richtige digitale Müll wird aber eher von virtuellen Glücksrittern veranstaltet. Ein bekanntes
Online-Auktions-Portal ist mittlerweile mit Zigtausenden von Partnerseiten zu allen erdenklichen Suchbegriffen im Netz zu finden.

Netzeitung:: Ist mit Google-Spam Geld zu verdienen?

Hempe: Wenn ich den Ausführungen der Ranking-Firmen glauben kann, sind diese Methoden sehr erfolgreich.

Netzeitung:: Welche Auswirkungen hat Google-Spam für die User?

Hempe: Für den Nutzer wird es immer schwieriger, zwischen unterschiedlichen Angeboten auszuwählen. Im Extremfall hat er auf der ersten Suchergebnis-Seite nur das Angebot einer Firma.

Netzeitung:: Was tut Google dagegen? Kann die Firma überhaupt gegensteuern?

Hempe: Google kämpft mit seinem Monopol im Suchmaschinenmarkt, weil alle Spammer in erster Line in diese Richtung manipulieren. Außerdem ist die Spam-Bekämpfung ein schwieriges Unterfangen. Kurz nach einer Veränderung im Algorithmus beginnen die Spammer mit der Erkundung neuer Tricks und der Erfolg ist nur von kurzer Dauer.

Mehr in der Netzeitung:
Eine dauerhafte mathematische Lösung des Problems kann es nicht geben. Für mich wäre die Bewertung von Internet-Seiten durch ein ehrenamtliches Team (ähnlich dem Open Directory Project, dmoz.org) ein Lösungsansatz, bei dem auf das riesige Potenzial an engagierten Internet-Usern zurückgegriffen werden kann.

Auf jeden Fall ist Google im Zugzwang, deutliche Signale zur Spam-Bekämpfung zu setzen, da sie das positive Image aus der Zeit der guten werbefreien Suchergebnisse langsam verspielen. Wie schnell man sang- und klanglos untergehen kann, hat man ja seinerzeit bei Altavista [einst erfolgreichste Suchmaschine der Welt, Anm. d. Red.] sehen können.

Die Fragen stellte Ben Schwan

 
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