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Google ist immer noch nicht böse

07. Okt 2003 10:08
Webdesigner Jason Kottke
Google steht in der Kritik: Spam-Probleme, schlechte Suchergebnisse und möglicher Machtmissbrauch. Die Netzeitung sprach mit dem Web-Experten Jason Kottke.

Zur Person: Jason Kottke
Jason Kottke ist ein renommierter amerikanischer Web-Designer. Mit Google beschäftigt er sich schon seit den Anfangstagen der Suchmaschine im Jahre 1998.
Netzeitung: Wie weit ist Google davon entfernt, zur «bösen Firma» zu werden, wie manche User befürchten?

Jason Kottke: Google arbeitet moralischer als viele andere Unternehmen. Nach allen zur Verfügung stehenden Informationen will die Führung auch nicht zur bösen Firma werden, sie behandelt ihre Angestellten gut und ist sehr stolz auf die Brauchbarkeit und Relevanz der Ergebnisse ihrer kostenlosen Suche.

In den Bedingungen des neuen «Ad Sense»-Partner-Programmes haben sie kürzlich einen Schritt in die falsche Richtung gemacht [so dürfen z.B. Websites, die das Werbesystem nutzen, es nicht kritisieren, Anm. d. Red.]. Hier haben sie die Marketing- und Rechtsabteilung entscheiden lassen. Aber Google ist grundsätzlich noch weit von anderen «bösen» Firmen wie Enron und Co. entfernt.

Netzeitung: «Nicht böse» zu sein bleibt also Googles Vorsatz Nummer eins?

Kottke: Ich denke, dass «Geld verdienen» Vorsatz Nummer eins einer jeden Firma ist. Da Google sein Nicht-Böse-sein für genauso wichtig hält, muss man der Firma applaudieren.

Netzeitung: Wie effektiv ist Goolge noch, wenn man den zunehmenden «Google Spam», also gepuschte Werbe-Suchergebnisse, und Verfälschungen, beispielsweise durch Weblogs, einrechnet?

Mehr im Internet:
Kottke: Googles Resultate sind so relevant wie immer, wenn nicht sogar relevanter. Ich kann immer noch das unter den ersten zehn Treffern finden, wonach ich wirklich suche. Es ist wohl ein Wahrnehmungsproblem - manche denken, dass Google seine Ergebnisse weiter verbessern sollte, während die Technik intern optimiert wird, aber da gibt es eben Limits bei der Durchführung.

Es gibt eben nur eine bestimmte Anzahl an Informationen darüber, wie Internet-Seiten zusammenhängen, die sich aus dem simplen «Abgrasen» von Websites ergeben, wie es Google tut. Wenn Google kurz vor diesem Limit steht, können kleine Verfeinerungen nur wenig die Relevanz erhöhen.

Netzeitung: Was kann Google dennoch tun?

Kottke: Vielleicht sollten Websites besser gruppiert werden, um dann auf jeweils angepasste Weise analysiert werden zu können. So ergäben sich Verbesserungen für die gesamte Datenbank. Weblogs könnten beispielsweise eine solche Gruppe darstellen. Sie bestehen aus einzelnen Einträgen, den Postings, und die sollte man einzeln behandeln, auch weil sie zahlreiche Zusatzdaten wie Zeit und Datum, Kategorien, Rückverlinkungen und weiteres enthalten.

Google kann diese Metadaten in den Postings nutzen, um bessere Informationen über die Seiten zu erlangen, auf die die Weblogs verweisen. Das sollte erfolgen, ohne die Weblogs im Gesamtindex überzubewerten, worüber sich viele derzeit beschweren. Auch könnte Google die bei Weblogs oft vorhandenen RSS-Daten [Nachrichtenfeeds für private Websites und Newsreader, Anm. d. Red.] nutzen, um die Suchergebnisse zu verbessern.

Netzeitung: Braucht Google mehr Konkurrenz?

Kottke:Mehr Konkurrenz für Google wäre bestimmt nicht schlecht. Microsoft und Yahoo haben ja erneute Anstrengungen angekündigt, ihre Suchmaschinen zu verbessern. Doch bisher ist keine Entwicklung bekannt, die die Google-Suche bedrohen könnte.

Netzeitung: Wie könnte ein Google der Zukunft aussehen?

Kottke: Wenn man bedenkt, dass sich das Aussehen der Suchmaschine seit ihrer Beta-Version [von 1998, Anm. d. Red.] kaum verändert hat, rechne ich nicht damit, dass sich da in nächster Zeit irgendetwas tut. Die größte Neuerung werden wohl personalisierte Suchergebnisse sein. Meine Resultate werden anders sein als Ihre - je nach dem, wie wir Google bislang benutzt haben.

 
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