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Zeitungs-Weblogs mit Ethikproblemen

25. Sep 2003 10:04
In US-Medien wird derzeit debattiert, inwieweit Weblogs der Presse dem Standard-Redaktionsprozess unterliegen sollten. Auslöser war ein kontroverses Posting eines Zeitungs-Netztagebuchs.

Daniel Weintraub, Kolumnist und Blogger für das Lokalblatt «The Sacramento Bee» aus dem kalifornischen Sacramento, muss seine Netztagebucheinträge künftig einem Redakteur vorlegen, bevor sie im beliebten Weblog «California Insider» auftauchen, das die derzeit in dem US-Staat ablaufende Gouverneurswahl beleuchtet.

Der Grund: Weintraub hatte eine umstrittene Bemerkung über den stellvertretenden Gouverneur Cruz Bustamente gemacht. Die folgende Leserkritik löste intern einen Überprüfungsprozess aus, in wie weit es überhaupt gestattet sein sollte, dass ein Autor ohne das Gegenlesen durch einen Redakteur sein Material ins Web stellen darf.

Besser gegenlesen?

Mehr in der Netzeitung:
Resultat beim «Sacramento Bee»: Es sollte nicht gestattet sein, weil die Zeitung ethische wie journalistische Standards nicht einhielte. Diese basierten ja immer darauf, dass mehrere Personen die Richtigkeit von Informationen überprüften, wie der Ombudsmann des Blattes an die Leser schrieb. Er bemängelte auch, dass der Website bislang ein Vollzeit-Redakteur fehlte.

In der Weblog-Community löste die Entscheidung, das Weblog zu redigieren, Proteste aus: Bisher galt es als eines der wesentlichen Elemente von Blogs, dass Texte nicht redigiert werden. Mickey Kaus, bekannter Blogger für das renommierte Netzmagazin «Slate», vermutete interne Machtkämpfe als Grund für die Entscheidung: «Er schlug die News-Redaktion regelmäßig.»

Machtkämpfe um Blogs

Mehr im Internet:
In den USA wird derzeit debattiert, wie die Presse mit der neuen Medienform, die ein direktes Publizieren innerhalb von Sekunden im Web erlaubt, umgehen soll. So schreibt Mark Glaser vom renommierten «Online Journalism Review», Praxismodelle entstünden gerade erst. Die Journalisten wüssten aber, dass ihre Texte durch das Redigieren eines Redakteur besser würden.

Doch auch der Leser hat ein Wort mitzureden: Jason McCabe Calacanis, Ex-Gründer der einst großen New Yorker Internet-Zeitschrift «Silicon Alley Reporter» und derzeit mit einem eigenen Weblog-Angebot in Planung, meinte, diese wüssten doch, wie Weblogs funktionierten: «Die Öffentlichkeit will, dass Weblogs nicht ediert werden.» Die Öffentlichkeit wisse, dass die neue Mediengattung schnell produziert werde und Fehler enthalten könne. Man müsse dass aber offen zugeben. Von einer «New York Times», die erst kürzlich vom Textfälscherskandal des Jayson Blair geschüttelt wurde, erwarte man hingegen, dass sie alle Texte vor Drucklegung überprüfe. «Dass sie nicht überprüft ist, wissen wir (nun) alle.»

 
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