17. Sep 2003 09:47
Microsoft hat per Internet ungefragt die Möglichkeit entfernt, Linux auf der Spielekonsole Xbox laufen zu lassen. Die Netzeitung sprach darüber mit einem Initiator des Xbox-Linux-Projektes.
Der Software-Konzern Microsoft spielt derzeit Nutzern, die ihre Xbox-Spielekonsole an das Internet anschließen, automatisch ein Update auf, das die Installation des Betriebssystemes Linux unmöglich macht - eine Lücke in der System-Software «Dashboard» wurde geschlossen.Die Netzeitung sprach mit Michael Steil über den Vorgang. Steil ist einer der Initiatoren des Xbox-Linux-Projektes, dass das kostenlose Betriebssystem auf die Konsolte holte und aus ihr einen vollwertigen Billig-PC machte.
Netzeitung: Herr Steil, wie haben Sie das automatische Xbox-Update entdeckt?
Steil: Schon vor einigen Tagen haben Xbox-Anwender, die den «Xbox Live»-Service für Online-Spiele abonniert haben, das erzwungene Update bemerkt, sobald sie sich in den Dienst einloggen wollten. Wir haben dann ausprobiert, was passiert, wenn man die Einstellungen für die Internet-Verbindung bei der Xbox einrichtet, ohne jedoch bei Xbox Live angemeldet zu sein - und waren überrascht, dass auch dann das Update erfolgt.
Netzeitung: Zerstört es tatsächlich die Möglichkeit, Linux auf die Spielekonsole aufzuspielen? Was geschieht da technisch genau?Steil: Zunächst ja. Ein Fehler im alten Dashboard hat es ermöglicht, dass man es dazu bringen konnte, den Menüpunkt «Linux» ins Hauptmenü einzufügen. Dieser Fehler wurde jetzt entfernt. Allerdings werden mit vielen Spielen alte Updates dieser Software mitgeliefert, so dass man bald mit Tricks in der Lage sein wird, wieder die alte Version aufzuspielen.
Netzeitung: Und es gibt keine Warnung?
Steil: Sofern die Netzwerkeinstellungen korrekt sind, und man im Hauptmenü der Xbox den Punkt «Xbox Live» wählt, fängt das Update sofort an. Es sagt, man solle die Xbox währenddessen ja nicht ausschalten...
Netzeitung: Was bezweckt Microsoft mit dieser «Aktualisierung» Ihrer Meinung nach?Steil: Da es kaum Änderungen im Funktionsumfang gab, ist es klar, dass dieses Update hauptsächlich dem Schließen dieser Lücke galt.
Netzeitung: Gibt es bereits eine Stellungnahme des Software-Konzerns?
Steil: Nein. Was allerdings noch schwerwiegender ist: Das Update löscht Dateien von der Festplatte, was in bestimmten Fällen zu Datenverlust führen kann. Auch dazu gab es von Microsoft noch keinen Kommentar.
Netzeitung: Gibt es Gegenmaßnahmen? Sind alle Nutzer betroffen, die Ihre Xbox an das Internet anschließen?
Steil: Wer kein Xbox-Live-Abonnement hat, muss nur sicherstellen, dass er keine korrekten Netzwerkeinstellungen eingibt, dann kann nichts passieren. Auch von dem Menüpunkt «Xbox Live» sollte man sich fernhalten. Wer Xbox Live nutzt, für den gibt es momentan keinen Ausweg. Linux kann nicht permanent auf der Xbox installiert werden, weil jede Benutzung wieder die Möglichkeit entfernt, es zu starten.
Netzeitung: Wie wird das Xbox-Linux-Projekt reagieren?
Steil: Für all diejenigen, die keine Mitglieder von Xbox Live sind und gezwungenermaßen «geupdatet» wurden und die, deren neue Xbox bald bereits die neue (Anti-Linux-)Version enthält, stellen wir in den nächsten Wochen eine Lösung vor, die wieder eine alte Version einspielt, die Linux von Festplatte starten kann. Für Xbox-Live-Anwender arbeiten wir an einer mittelfristigen Lösung.
Die Fragen stellte Ben Schwan.