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Filmstudios für Internet-Kopien mitverantwortlich

16. Sep 2003 09:07
Mehr und mehr aktuelle Filme landen in guter Qualität im Internet - noch bevor sie auf DVD erscheinen. Einer Untersuchung der AT&T Labors zu Folge trägt Hollywood eine Mitschuld.

Quartal für Quartal klagt der Lobby-Verband der amerikanischen Studios, die Motion Pictures Association of America (MPAA), über mehr und qualitativ hochwertigere Raubkopien, die sich in den Online-Tauschbörsen und Usenet-Nachrichtengruppen oft schon vor Kino- oder DVD-Start verbreiten. Doch die Kriminellen, die beispielsweise hochwertige Filmmaster an die Treffpunkte der Internet-Piraten weitergeben, sitzen offenbar in Hollywood selbst.

«Es sieht wie ein Insider-Job aus», berichtete die «New York Times» am Montag und verwies auf eine neue Studie der renommierten AT&T-Forschungslabors. Die fand nun heraus, dass die Mehrzahl der in Filesharing-Diensten verbreiteten Filmkopien tatsächlich von Industrie-Angehörigen stammten - und nicht etwa von Endkunden.

80 Prozent von Insidern

Mehr in der Netzeitung:
Die Forscher untersuchten rund 300 Kopien populärer Filme, die über Tauschbörsen verbreitet wurde. Ergebnis: 80 Prozent der Streifen seien mit großer Sicherheit von Hollywood-Insidern ins Netz «entlassen» worden. Die Studie, die die erste breitere ihrer Art darstellt, bestätigte entsprechende Gerüchte aus der Szene: Angestellte der Filmstudios, die in Produktion, Werbung oder sogar Management beschäftigt sind, tragen die Hauptverantwortung für die Kopien. Und auch Filmkritiker, die beispielsweise an der Vorauswahl von Oscar-Kandidaten arbeiten, machen wohl mit.

Anti-Piraterie-Maßnahmen auf Endkundengeräten und Heimcomputern, beispielsweise der inzwischen vielfach angewandte Kopierschutz, seien daher laut den Autoren der Studie «wirkungslos». «Wenn Sie sich nicht um die Insider kümmern, macht es auch keinen Sinn, sich Sorgen über die Außenwelt zu machen», so Lorrie Cranor, die für AT&T Labs federführend an der Studie saß. Ihre Empfehlung: Die Studioindustrie müssten alle an der Filmverteilung beteiligten gleich kontrollieren: Vom Management über die Filminvestoren bis hinunter zu Cuttern und auch Auslieferfahrern.

Vorbild: Musikindustrie

Mehr im Internet:
Ein für die Pirateriebekämpfung zuständiger Manager bei der MPAA meinte, man kenne das Insider-Problem bislang vor allem von Kritikern - vor allem in der Oscar-Phase. In der Tat war der jüngste große Schwung an High-End-Kopien im so genannten «SVCD»-Format zur letzten Verleihung des großen US-Filmpreises aufgetaucht. Doch die qualitätvollen Raubversionen tauchen immer öfter auch außerhalb dieser Zeiträume auf. Laut dem MPAA-Manager sieht man jedoch vor allem das illegale Abfilmen seiner Streifen mit Camcordern im Kino als Hauptquelle von Raubkopien.

Josh Bernoff, der für die IT-Marktforschungsfirma Forrester Research kürzlich eine «Digital Download»-Studie verfasst hatte (die Netzeitung berichtete), meinte, dieses abgefilmte Material sei kaum dazu geeignet, die DVD-Verkäufe zu minimieren, weil die Qualität so schlecht sei. Die Angst der Studios vor hochwertigen Kopien sei aber groß: Hollywood wolle nicht die gleichen Probleme wie die Musikindustrie.

Auch dort kommt viel hochwertiges Tauschbörsenmaterial von Insidern - Vorabkopien beispielsweise, die durch Musikjournalisten ins Internet gelangen. Die Bands gehen derweil besondere Wege, dies zu vermeiden: So verschickte die Hip-Hop-Band «Beginner» ihr jüngstes Werk kürzlich auf Kassette an die Kritiker - inklusive den normale Hörer störenden Zwischenansagen, die sich nur schwer löschen ließen.

 
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