Filmstudios für Internet-Kopien mitverantwortlich
16.09.2003
Herausgeber: netzeitung.de
«Es sieht wie ein Insider-Job aus», berichtete die «New York Times» am Montag und verwies auf eine neue Studie der renommierten AT&T-Forschungslabors. Die fand nun heraus, dass die Mehrzahl der in Filesharing-Diensten verbreiteten Filmkopien tatsächlich von Industrie-Angehörigen stammten - und nicht etwa von Endkunden.
Anti-Piraterie-Maßnahmen auf Endkundengeräten und Heimcomputern, beispielsweise der inzwischen vielfach angewandte Kopierschutz, seien daher laut den Autoren der Studie «wirkungslos». «Wenn Sie sich nicht um die Insider kümmern, macht es auch keinen Sinn, sich Sorgen über die Außenwelt zu machen», so Lorrie Cranor, die für AT&T Labs federführend an der Studie saß. Ihre Empfehlung: Die Studioindustrie müssten alle an der Filmverteilung beteiligten gleich kontrollieren: Vom Management über die Filminvestoren bis hinunter zu Cuttern und auch Auslieferfahrern.
Josh Bernoff, der für die IT-Marktforschungsfirma Forrester Research kürzlich eine «Digital Download»-Studie verfasst hatte (die Netzeitung berichtete), meinte, dieses abgefilmte Material sei kaum dazu geeignet, die DVD-Verkäufe zu minimieren, weil die Qualität so schlecht sei. Die Angst der Studios vor hochwertigen Kopien sei aber groß: Hollywood wolle nicht die gleichen Probleme wie die Musikindustrie.
Auch dort kommt viel hochwertiges Tauschbörsenmaterial von Insidern - Vorabkopien beispielsweise, die durch Musikjournalisten ins Internet gelangen. Die Bands gehen derweil besondere Wege, dies zu vermeiden: So verschickte die Hip-Hop-Band «Beginner» ihr jüngstes Werk kürzlich auf Kassette an die Kritiker - inklusive den normale Hörer störenden Zwischenansagen, die sich nur schwer löschen ließen.
Für das Web ediert von Ben Schwan

