Spiele-Hersteller vor Gericht
12. Sep 2003 09:50
 | Szene aus 'Grand Theft Auto: Vice City": Echte Gangster fackeln nicht lange. | Foto: Quelle: Take Two |
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In Amerika hat eine Witwe den Spiele-Hersteller Take Two verklagt. Ihr Mann wurde auf der Straße von zwei Teenagern erschossenen, die angaben, ihr Lieblingsspiel «Grand Theft Auto» nachgeahmt zu haben.
Zwei Teenager im Alter von 16 und 14 Jahren schossen mit einem 22-Kaliber-Gewehr wahllos auf Fahrzeuge auf einer Schnellstraße im US Staat Tennessee. Dabei wurde ein Mann getötet, ein weiterer schwer verletzt. Gegenüber der Polizei sagten die beiden Jungen aus, sie hätten aus Langeweile ihr liebstes Computerspiel «Grand Theft Auto» nachgespielt. Die Witwe des Verstorbenen, die 45-jährige Krankenschwester Aaron Hamel, verklagte daraufhin jetzt den Spielehersteller Take Two Interactive.
Die kleinkriminelle Ader des Spielers
„Die Industrie muss die Opfer und ihre Angehörigen entschädigen“, so der Anwalt der Witwe, Jack Thompson, gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender ABC News. „Die Teilhaber sollten wissen, was diese Spiele Kindern und ihren Familien antun. Kinder sollten keinen Zugang zu Spielen mit Altersbegrenzung haben, das kann tödliche Folgen haben.“ Bei Grand Theft Auto, das in mehreren Versionen sowohl für den PC als auch für Konsolen erschien, gilt es, Autos zu stehlen, heiße Ware zu transportieren, drei verfeindete Banden zu bekämpfen und zu gegebener Zeit auch einen Mordanschlag zu verüben, während . FBI-Agenten und Soldaten versuchen, dem Treiben des Spielers Einhalt zu gebieten.
Klage-Welle nach Littleton
Es ist nicht das erstemal, dass Videospiele für jugendliche Gewaltausbrüche zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Nach dem Blutbad von Littleton vor ein paar Jahren wurden viele Spielehersteller von Eltern der Opfer verklagt, unter anderen id-Software, der Hersteller der 3-D-Ballerspiele «Doom» und «Quake», sowie Nintendo. Auch «Grand Theft Auto» wurde schon einmal mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht: Damals galt das Spiel als Vorlage Einbrüche und Morde zweier Gruppen jugendlicher Autoknacker in Kalifornien.
Schuld haben immer die anderen
Während man immer sehr schnell dabei ist, ein großes millionenschweres Medienunternehmen für die Verbrechen verantwortlich zu machen, sollte nicht übersehen werden, das Grand Theft Auto in den USA M-Rated, das heißt erst ab 18 Jahren empfohlen ist. Allerdings gibt es kein amerikanisches Gesetz, das den Verkauf von Spielen ab 18 an Kinder verbietet, ein solcher Versuch wurde kürzlich in Washington überstimmt. Demzufolge liegt die Verantwortung allein bei den Eltern. Im Falle der beiden Jugendlichen in Tennessee haben es die Eltern der Kinder nicht nur versäumt, deren Zugang zu gewaltverherrlichenden Medien für Erwachsene zu kontrollieren, sondern auch den Zugang zu den Waffen im Haus. Es bleibt außerdem die Frage, ob in Zukunft auch die Hersteller von Tetris verklagt werden, wenn Jugendliche Steine von einer Brücke schmeißen.
Für das Web ediert von Julia Niemann