11. Sep 2003 10:02
Blogger.com, der größte Weblog-Dienst im Netz, der inzwischen zur Suchmaschine Google gehört, wird kostenlos. Die Gründe dafür sind noch unklar.
«Die Pro-Abonnenten hielten uns am Leben, als wir noch eine ums Überlebende kämpfende Jungfirma waren und Server und Bandbreite teuer», so der Blogger-Chef, «nun gehören wir zu Google und Google hat viele Rechner und viel Bandbreite. Außerdem glaubt Google, dass Blogs wichtig und gut für das Web sind». «Blogspot Plus», ein kostenpflichtiger Weblog-Hosting-Dienst, bleibt in seiner bisherigen Form allerdings bestehen - ab 15 Dollar im Jahr. Wer «Blogger Pro» kürzlich einkaufte, erhält als «Ersatz» ein kostenloses Sweatshirt.«Blogger Pro» war der Premium-Dienst des ansonsten kostenlos nutzbaren größten Weblog-Dienstes der Welt, Blogger.com. Er enthielt weitergehende Funktionen als das Original, mit denen sich professionellere Seiten gestalten ließen. Blogger.com hatte den Trend zum Netztagebuch in den USA und anschließend im Rest der Welt erst ausgelöst. Beobachter aus der Szene fragen sich, warum Google den Dienst nun kostenlos macht, obwohl die Branche inzwischen immer mehr zu Bezahldiensten übergeht - auch AOL und Yahoo wollen demnächst Blogs anbieten.
Der renommierte Webdesigner und Blogger Jason Kottke schrieb in seinem Netztagebuch von «Stagnation» in der Branche, die die Blogger.com-Entscheidung auslösen könnte: «Es macht mich immer nervös, wenn große Firmen Software kostenlos verteilen, für die kleine Anbieter Geld verlangen.» Neue kostenpflichtige Weblog-Dienste wie Typepad oder ältere wie Radio Userland seien womöglich gefährdet, obwohl Blogger.com nach wie vor mit Problemen beim Support und der Stabilität kämpfe.Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, warum Google «Blogger Pro» zum Gratis-Angebot machen könnte: Die Suchmaschine sucht derzeit nach Wegen, ihre Textwerbeanzeigen im Web möglichst weiträumig zu verteilen. Da diese neuartige Reklame («Adsense») themenspezifisch eingeblendet wird, bieten die mehr als 200 000 aktiven Blogger-Weblogs einen idealen Rahmen. Werbung wird es auf den nun kostenlosen Blogger.com-Websites nämlich weiterhin geben. Google hofft, dass die Textwerbung häufiger angeklickt wird, wenn sie in einem passenden Kontext erscheint. Dazu werden Web-Inhalte vorab einer Textanalyse unterzogen.