netzeitung.de«Time»-Chefin fürchtet Weblogs

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Chefin des US-Verlags «Time» fürchtet die neuen Web-Medien. Sie fürchte sie mehr als die Medienkonzentration, sagt sie.

Ann Moore, Chefin des US-Großverlages «Time» sieht «in der Verbreitung unkontrollierter Medien an Orten wie dem Web» eine größere Gefahr, als in der derzeitigen Konzentration der Medienindustrie. «Die (unkontrollierten Medien) machen mir mehr Angst als alles andere», sagte Moore auf der von «Fortune» und dem Aspen Institut geförderten «Brainstorm Conference», von der das Wirtschaftsblatt Auszüge veröffentlichte.


Unkontrollierte Medien
Mit «unkontrollierten Medien im Web» werden in den USA von konservativen Kräften inzwischen Weblogs und andere unabhängige Quellen bezeichnet, von denen es inzwischen zahllose gibt. Neben Moore traten bei dem Panel unter anderem auch Pat Mitchell, Chef des öffentlich-rechtlichen US-Kanals «PBS», Adam Lashinsky von «Fortune», Michael Kinley vom Online-Magazin «Slate», der Medienkritiker Michael Wolf vom «New York Magazine» sowie der Chef der Hollywood-Lobbyorganisation MPAA, Jack Valenti, auf.

Bei der «Brainstorm Conference» sollte die Zukunft der Medien von Journalisten und Nicht-Journalisten debattiert werden. Diskutiert wurde unter anderem, wie frei und unabhängig die Presse tatsächlich ist und ob die Amerikaner genug informiert würden. Schließlich wollte man auch die Medienkonzentration sprechen, die in den USA derzeit für angestrengte Diskussionen in den höchsten Kreisen sorgt.

Der Journalismus lebt
«Time»-Chefin Moore macht sich nach eigenen Angaben derzeit keine Sorgen um die journalistischen Prinzipien, der Austausch der Redaktionsleitung bei der «New York Times» nach dem Fälscherskandal um den Reporter Jayson Blair sei Beispiel genug. Auch habe «Fortune» wohl am kritischsten über die Fusion von AOL und Time Warner, seinem Mutterkonzern, berichtet. Eine Informationsrevolution, wie sie Michael Wolf sah, dessen Meinung nach die Medien in den USA bereits völlig verändert und untergraben sind, sah Moore nicht.

Die journalistischen Standards hätten auch bereits in der Vergangenheit gelitten, es habe auch mehr Zensur gegeben, gab Moore zu bedenken. Michael Kinsley, Chef von «Slate», sagte bei dem Panel, das Internet habe, auch wenn dies ein Klischee sei, zur Informationsvielfalt massiv beigetragen. Er bekomme heute deutlich mehr Informationen an einem (eher abgelegenen) Ort wie Seattle, als vor zehn Jahren in Washington. «Time»-Chefin Moore setzt hingegen mehr auf die gute, alte Zeitung: «Fortune»-Mann Adam Lashinsky zu Folge ging sie extra am Morgen des Panels ins Hotel zurück, weil sie vergessen hatte, ein «Wall Street Journal» mitzunehmen.


Für das Web ediert von Ben Schwan