SCO-Chef warnt Open-Source-Gemeinde
09. Sep 2003 20:06
Im Streit um den Quellcode des Betriebssystems Linux hat SCO-Chef McBride Hacker vor weiteren Attacken auf die Website der Firma gewarnt. Er droht mit rechtlichen Konsequenzen.
Der Chef der Software-Firma SCO, Darl McBride, hat in einem offenen Brief Hacker gewarnt, die er für die jüngsten Denial-of-Service-Attacken (DoS) auf die Website seiner Firma verantwortlich macht. Er vermutet seine Adressaten unter den Anhängern des Betriebssystems Linux und der Open-Source-Philosophie: Darunter versteht man User, die selbstlos gemeinsam Software entwickeln, die jeder kostenlos verwenden kann.
Attacken auf SCO-Website
Hintergrund von McBrides Initiative ist ein Angriff auf die Website seiner Softwarefirma SCO Ende August: Sie war tagelang nicht erreichbar. Danach hatte der Open-Source-Befürworter Eric Raymond, eine Autorität in der Programmierer-Szene, zum Abbruch der DoS-Attacken aufgerufen. Dabei werden Webserver mit sinnlosen Anfragen überflutet und auf diese Weise blockiert.McBride warnte die Open-Source-Gemeinde, nicht ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Gemeinde schade ihrer eigenen Sache, wenn sie nicht in der Lage sei, sich gegenseitig zu kontrollieren und derartige DoS-Angriffe zu unterbinden. «Es darf keine Situation entstehen, in der Unternehmen befürchten müssen, Opfer von Attacken zu werden, wenn sie eine Geschäfts- und Rechtsposition vertreten, die die Open-Source-Community verärgert», formulierte der SCO-Chef.
Zwei Millionen Zeilen geklauter Code
Die umstrittene Rechtsposition, von der McBride sprach, war eine Klage von SCO gegen den IBM-Konzern im Streit um die Rechte am Quellcode von Linux. SCO fordert von IBM Schadenersatz in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar, weil IBM zugelassen haben soll, dass Teile geschützter SCO-Software bei der Weiterentwicklung von Linux verwendet worden sind. Nun erwägt SCO auch, rechtliche Schritte gegen Silicon Graphics einzuleiten. McBride hält es für erwiesen, dass Silicon Grahics unerlaubterweise Code aus SCOs «Unix System V» in Linux-Software eingebaut habe. Dabei sollen rund zwei Millionen Programmzeilen gestohlen worden sein.
Open-Source-Gemeinde im Umbruch
McBride räumt in dem offenen Brief ein, dass SCO mit seiner Klage gegen IBM Anhänger und Fans der Open-Source-Idee verärgert habe. Dabei weise SCO nur auf Widersprüche im Selbstverständnis der Open-Source-Gemeinde hin.Sie habe «ihre Wurzeln in gegenkulturellen Idealen – Hacker gegen Großunternehmen». Auf Grund der Fortschritte von Linux sei die Gemeinde nun jedoch in der Lage, Software für große amerikanische und globale Unternehmen zu entwickeln, so McBride. In diesem Fall müsse sie auch nach deren Regeln spielen und sich an Gesetze halten. (nz)