02. Sep 2003 09:51
Blogdex, Daypop, Popdex oder Technorati heißen Hitlisten, in denen steht, welche Artikel Weblogger am meisten verlinken. Mehr und mehr US-Journalisten nutzen die Selbstbespiegelung.
Wie das 'Online Journalism Review' («OJR») berichtet, nutzten US-Journalisten inzwischen amerikanische Weblog-Indizes wie Blogdex, Daypop, Popdex oder Technorati, um zu sehen, wie eine Geschichte in der «Blogosphere» ankommt. In den Indizes werden Netzgeschichten nach Anzahl der auf sie gelegten Links gewichtet - was von vielen Bloggern in ihren Weblogs erwähnt wird, erscheint ganz oben. «Das ist gut fürs Ego der Journalisten», so «OJR».Leander Kahney, ein Reporter beim beliebten US-IT-Nachrichtendienst «Wired News», gibt zu, regelmäßig auf die Weblog-Indizes zu schauen. «Wieso? Vor allem Eitelkeit. Ich will sehen, wie meine Geschichten ankommen, und bin neugierig, wie weit sie nach oben steigen, wer sie verlinkt und was über sie gesagt wird», so Kahney zu «OJR». Für Kahneys Redaktion haben die Blogs den Vorteil, dass sie bereits «substanziellen Seitenabrufe» generieren - sowohl über die Indizes, als auch über Weblog-Einträge selbst. Neben den Netzjournalisten, die über Online-Themen schreiben und daher besonders hoch gewichtet werden, sind es inzwischen auch fortschrittliche politische Autoren, die die «Blogger-Charts» lesen.
In Deutschland sprießen zwar die ersten kleineren Weblog-Indizes hervor, doch die Macht, die Seiten wie Blogdex oder Daypop in den USA inzwischen darstellen, haben sie nicht. Sie sind zudem zu sehr auf die Blog-Szene ausgerichtet und achten weniger auf die Bewertung professioneller Online-Berichte durch die Weblogger. Szene-Kenner schätzen jedoch, dass das Phänomen demnächst auch nach Deutschland kommt, ähnlich wie das bei einem anderen Liebling der Blogger, der Nachrichtensuche Google News, bereits der Fall war. Sie werten seit Juli mehr als 700 Quellen aus.Ob man auf Blog-Indizes tatsächlich achten soll, ist auch in den USA umstritten. So geben eher traditionell orientierte Reporter auf die Weblog-Wertung bislang noch wenig: Robert X. Cringeley, ein Urgestein unter den amerikanischen Computer-Journalisten, der regelmäßig gute Weblog-«Quoten» bekommt, sagte zu «OJR», er lese Blogdex und Co. nicht. «Ich finde, dass Weblogs zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Die Leute machen kaum Nachrichten, sondern reagieren und zeigen nur auf sie. Dafür habe ich keine Zeit. Ich gehe tatsächlich raus, um die News zu finden und darüber zu schreiben - auf die gute, alte Art.»