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Das Establishment bloggt zurück

18. Aug 2003 11:03
Demokrat Howard Dean bloggt für Amerika
Howard Dean, Favorit der Demokraten für die Präsidentschaftswahl, hat einen Trend losgetreten: Immer mehr US-Politiker schreiben Netztagebuch. Den richtigen Ton treffen sie selten.

Für Maureen Dowd, viel beachtete Kolumnistin der «New York Times», ist es ganz klar: «Das Internet ist hinüber». Anzeichen hierfür, schrieb Dowd vergangene Woche, gäbe es nun wirklich genug.

AOL Time Warner plane, den Namen des Online-Dienstes AOL aus seinem Namen zu streichen, das ehemalige Dot-Com-Magazin «Fast Company» habe sich auf Nachrufe zu eben jenen Firmen spezialisiert, der «Blaster»-Wurm (auch als «Lovsan» bekannt) sabotiere Microsoft-Systeme. Und die Spamflut erinnere uns alle daran, dass der durchschnittliche Amerikaner ein «impotenter, unsicherer, übergewichtiger, müder und depressiver Verlierer» sei, der unbedingt seine «Kredite refinanzieren» müsse.

«Das Internet ist hinüber»

Wichtigstes Signal des Netz-Niedergangs sei aber, so Dowd, dass die Weblogs, die doch einst als «freche Antwort» auf das Establishment gedacht waren, nun von eben jenem Establishment annektiert würden.

Mehr in der Netzeitung: Howard Dean
  • Guerilla-Wahlkampf im Internet 08. Aug 2003 07:24
  • Amerika braucht einen Blair 01. Aug 2003 07:42
  • Kolumnistin Dowd verweist in diesem Zusammenhang auf das derzeit in den USA zu beobachtende Phänomen, dass kaum mehr eine moderne US-Homepage ohne Weblog auskommt. Insbesondere unter Politikern: Nachdem Demokrat Howard Dean über seine Kampagnen-Website «DeanForAmerica.com» einiges an Spendengeldern für seine Präsidentschaftskandidatur sammeln konnte, erobern nun auch andere Politiker die «Blogosphäre».

    Die Kandidaten bloggen

    Mehr im Internet:
    Die Politiker versuchten, so Dowd, irgendwie hip zu sein, es gelänge ihnen aber nicht. Statt wirklich zu sagen, was sie dächten (dies mache Weblogs ja gerade aus), klängen die Politiker-Weblogs ziemlich blockiert. Tom Daschle (daschle.senate.gov), Chef der Demokraten im Senat, schreibe über seinen jährlichen Ausflug nach South Dakota, wo er «ohne Terminplan und Angestellte» «faszinierende Leute» kennenlernen werde.

    John Kerry (johnkerry.com), Deans Konkurrent im Wahlkampf gegen Präsident George W. Bush, lässt gar nur seine Mitarbeiter bloggen; die dann beispielsweise über Kerrys Gitarreneinlage in einem Musikladen schreiben, welche dieser auf seiner Wahlkampftour abhielt.

    Auch Dean, der den Politiker-Weblog-Trend lostrat, bloggt nicht selbst. Allerdings ist sein «Blogmaster» Mathew Gross wenigstens Teil der Szene - er bekam seinen Job als Blogger durchs Bloggen.

     
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