18. Aug 2003 11:03
Howard Dean, Favorit der Demokraten für die Präsidentschaftswahl, hat einen Trend losgetreten: Immer mehr US-Politiker schreiben Netztagebuch. Den richtigen Ton treffen sie selten.
Für Maureen Dowd, viel beachtete Kolumnistin der «New York Times», ist es ganz klar: «Das Internet ist hinüber». Anzeichen hierfür, schrieb Dowd vergangene Woche, gäbe es nun wirklich genug. AOL Time Warner plane, den Namen des Online-Dienstes AOL aus seinem Namen zu streichen, das ehemalige Dot-Com-Magazin «Fast Company» habe sich auf Nachrufe zu eben jenen Firmen spezialisiert, der «Blaster»-Wurm (auch als «Lovsan» bekannt) sabotiere Microsoft-Systeme. Und die Spamflut erinnere uns alle daran, dass der durchschnittliche Amerikaner ein «impotenter, unsicherer, übergewichtiger, müder und depressiver Verlierer» sei, der unbedingt seine «Kredite refinanzieren» müsse.
Die Politiker versuchten, so Dowd, irgendwie hip zu sein, es gelänge ihnen aber nicht. Statt wirklich zu sagen, was sie dächten (dies mache Weblogs ja gerade aus), klängen die Politiker-Weblogs ziemlich blockiert. Tom Daschle (daschle.senate.gov), Chef der Demokraten im Senat, schreibe über seinen jährlichen Ausflug nach South Dakota, wo er «ohne Terminplan und Angestellte» «faszinierende Leute» kennenlernen werde. John Kerry (johnkerry.com), Deans Konkurrent im Wahlkampf gegen Präsident George W. Bush, lässt gar nur seine Mitarbeiter bloggen; die dann beispielsweise über Kerrys Gitarreneinlage in einem Musikladen schreiben, welche dieser auf seiner Wahlkampftour abhielt.
Auch Dean, der den Politiker-Weblog-Trend lostrat, bloggt nicht selbst. Allerdings ist sein «Blogmaster» Mathew Gross wenigstens Teil der Szene - er bekam seinen Job als Blogger durchs Bloggen.