Auch IBM verteidigt Linux
08.08.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Der IBM- Konzern, den die kleine Software-Firma SCO wegen angeblicher Rechteverletzungen im Linux-Bereich verklagt hat, geht nun in die Offensive - er reichte eine Gegenklage ein.
Die Gegenwehr der Linux-Industrie gegen den kleinen Software-Anbieter SCO, der behauptet hatte, Linux habe Code aus seinem Profibetriebssystem Unix gestohlen, formiert sich weiter. Nun hat auch der IT-Konzern IBM, den SCO zuvor auf insgesamt drei Milliarden Dollar Schadenersatz wegen der angeblichen Linux-Affäre und anderen Rechteverletzungen verklagt hatte, eine Gegenklage eingereicht. Zuvor hatte auch der wichtige amerikanische Linux-Vertreiber Red Hat geklagt.
Linux selbst vertriebenAuf insgesamt 45 Seiten argumentiert IBM nun, dass SCO selbst schon eine Linux-Distribution unter der freien Lizenz «GPL» vertrieben habe und deshalb nicht behaupten könne, Linux enthalte rechtlich geschützten Code. SCO hatte unter seinem früheren Namen Caldera tatsächlich bereits ein eigenes Linux-Betriebssystem verkauft, dies jedoch passend zur Klage gegen IBM vom Markt genommen.
Zudem meint IBM in seiner Klage, SCO habe Patente von IBM in seinen Programmen verletzt, für diese Übertretung sei nun Schadenersatz fällig. Wichtigster Klagepunkt ist laut IBM aber, dass SCO seine angeblichen Rechte an Unix derzeit dazu benutze, konkurrierende Betriebssysteme wie Linux und das IBM-System AIX zu zerstören und sich daran unrechtmäßig «wie an Fallobst» bereichern zu wollen.
«Ablenkungsmanöver»IBM fordert den Richter auf, die Milliarden-Klage SCOs fallen zu lassen. SCO habe falsche Behauptungen aufgestellt und verhalte sich wettbewerbsrechtlich unfair. Die Aktie von SCO fiel nach Bekanntgabe der Klage um zehn Prozent, während IBMs Papier sich leicht verteuerte. In einer ersten Stellungnahme zu IBMs Gegenklage beschrieb SCO das Vorgehen des IT-Konzerns als Ablenkungsmanöver.
Es gehe in SCOs Klage um das verfehlte Linux-Geschäftsmodell von IBM. Die wirklichen Probleme an Linux seien, dass das Betriebssystem seine Nutzer nicht von Klagen freistelle, falls geschützter Code in dem System entdeckt würde. IBM müsse, so SCO, seine Kunden schützen. Der Prozess sei daher größer «als SCO, Red Hat und sogar IBM». SCO hat noch immer keine öffentlichen Beweise vorgelegt, dass Linux tatsächlich sein Unix kopiert hat.