netzeitung.deGefährliche Spenden

 Herausgeber: netzeitung.de

In Ketten-Mails werden Spam-Opfer immer unverfrorener um Geld angebettelt. Eine zurzeit kursierende fordert unverblümt, gebt mir einfach Geld. Der angerichtete Schaden ist eher virtuell.

Seit Jahren schon bitten Unbekannte in Ketten-E-Mails um alles mögliche, um Knochenmark zum Beispiel, oder darum, Filme der 20th Century Fox zu boykottieren, weil das Hollywood-Studio irgendeine wundervolle Insel planieren wolle. Manchmal versprechen diese Mails auch etwas, meistens enorme und sehr leicht zu erlangende Reichtümer.

Doch nun kursiert eine Ketten-Mail, die endlich zum Kern der Sache vordringt: Es gib nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen, und dies wird nicht einmal vorgegaukelt. Der Adressat wird unverblümt angebettelt. Schon die Überschrift stellt das klar: «Spendenaufruf - (rein privater Natur! nicht gewerblich! keine Werbung! Kein spam!)»

Wobei die letzte Aussage glatt gelogen ist, gilt doch jede unverlangt eingesandte Massenmail als Spam.

Mitleid
Natürlich wird, auch das ein wichtiges Element solcher Briefe, an das Mitleid des Lesers appelliert. Ein «K. Michael (Existenzgründung)» bittet darum, ihm Geld, (bitte möglichst nicht unter 100 Dollar!!!), zu schicken, wolle er damit doch eine «wir-ag» gründen und sich mit einer Bar auf Gran Canaria selbständig machen. Leider koste das gute Stück 150.000 Euro und er suche daher nach Spendern.

Damit das Ganze nicht allzu bescheuert und gierig erscheint, wird auf eine Gruppe von Menschen verwiesen, die sich damit künftig ihren Lebensunterhalt verdienen wolle, um endlich dem deutschen Staat nicht mehr auf der Tasche liegen zu müssen.

«Uns ist natürlich daran gelegen, so schnell wie möglich die erforderliche Summe (...) zusammenzubringen, (...) um so schnell wie möglich die Sozialleistungen der BRD zu beenden, denn davon kann man nun wirklich nicht vernünftig leben, und das kann es ja nun wirklich auch nicht sein, oder was meinen Sie?»
Wozu der Unsinn?
Flexibel zeigen sich die Bettler in der Art, wie die Beträge übersandt werden können. Neben einem Postfach für Bargeld-Briefe sind gleich vier Bankkonten angegeben, eines davon in Deutschland – bei der genannten Bank, der Diba, möchte man darüber nicht reden. Man sage gar nichts, hieß es dort, «gar nichts!». Und mit der Annahme, dass das Konto tatsächlich existiere, solle man lieber «vorsichtig sein».

Der Kommentar eines Webloggers dazu lautet: «Und wenn ich was gespendet habe, bekomme ich dann wenigstens ein Bier umsonst? Großartig. Ganz großartig. Warum fällt mir nur nie sowas ein.»

Kontonummern der Diba sind jedoch zehnstellig, die angegebene hat nur acht. Was also soll der Unsinn? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schreibt dazu: «Die Meldung darf nicht weiter geleitet werden. Wenn jeder Anwender (oder auch nur viele) dies tun, wird das E-Mail-System überlastet und blockiert. Das ist die Schadensfunktion, die der anonyme Urheber der Meldung bezweckt.» (nz)