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Nie mehr Netscape: Eine Legende ist tot

17. Jul 2003 10:28
Netscape damals (1996) und heute
Die Internet-Gemeinde nahm die Nachricht mit Sorge auf: AOL hat die Entwicklung des Netscape-Browsers eingestellt. Es wird aber nicht Microsoft beflügeln, sondern Mozilla.

Die Entlassung von 50 Programmierern bei der AOL-Tochter Netscape (die Netzeitung berichtete) hat die Web-Entwickler-Szene geschockt: Das Netscape-Entwicklerteam wurde aufgelöst, wer seinen Job nicht verlor, bekam einen neuen Posten im Konzern AOL zugeteilt.

Mehr im Internet: Good Bye
Die Entlassungswelle stellt das Ende von Netscape dar, dessen sind sich Analysten sicher. Insider berichten, dass AOL die Netscape-Logos von den Gebäuden entfernen ließ. «Es ist vorbei, R.I.P.», schreibt einer der entlassenen Entwickler.

Doch das Ende von Netscape bedeutet nicht das Ende seiner Technik. Die Arbeit an Mozilla, eine Hauptaufgabe der seit 1998 zum AOL-Konzern gehörenden Firma Netscape, geht in der Open-Source-Community Mozilla.org weiter. Mozilla hatte in den letzten Jahren mehr und mehr Arbeit an der Software und damit indirekt am Netscape-Browser übernommen; zuletzt überstieg die Zahl der Mozilla-Entwickler die der bei Netscape-Entwickler.

Mozilla macht weiter

Mehr in der Netzeitung:
AOL unterstützt die neu gegründete «Mozilla Foundation» zudem mit zwei Millionen Dollar. Die designierte Chefin Mitchell Baker, lange Jahre bei Netscape und dem Mozilla-Projekt als Koordinatorin beschäftigt, plant, einige der bei Netscape entlassenen Entwickler anzustellen. Mit Lotus-Gründer Mitch Kapor wurde ein prominenter Aufsichtsrat für die Stiftung gefunden.

Viele der bei Netscape Entlassenen kündigten an, weiter freiwillig im Rahmen des Open-Source-Projektes Mozilla an dem Browser zu arbeiten. Es wird somit weiterhin einen ernstzunehmenden Konkurrenten für Microsoft geben.

Für Endanwender bedeutet der Tod von Netscape, dass sie vom Produkt Netscape auf das Produkt Mozilla wechseln müssen - da beide Programme auf der gleichen Technik basieren, wird dies den meisten nicht schwer fallen. Einzig die Marke und kleinste Details unterschieden die beiden Browser zuletzt.

Mozilla kündigte an, sich in Zukunft mehr an Endanwender zu richten, um deren Vertrauen zu gewinnen. Diese Arbeit am Kunden hatte man bislang immer Netscape überlassen.

Die Marke Netscape – einst Marktführer – ist bei der Internet-Gemeinde bekannt, beliebt und steht für Qualität. Dieses Image muss Mozilla nun aufbauen. Es wird den Verantwortlichen nicht schwer fallen. Das Mozilla-Projekt ist Web-Experten zufolge ein großer Erfolg: Die Software habe an Funktionen und Qualität Microsofts Internet Explorer längst weit überholt.


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