Das Schreiben von mobilen Netztagebüchern liegt im Trend. Immer mehr so genannte «Moblogger» (mobile Weblog-Schreiber) aktualisieren die Einträge auf ihrer Homepage von unterwegs aus per Handy. Die erste internationale «Moblogger»-Konferenz, die «1IMC», fand vor ein paar Tagen in Tokio statt. Die Netzeitung sprach mit dem Organisator, Adam Greenfield, über das neue Online-Medium.
Adam Greenfield: Das hängt sehr davon ab, wo man sich befindet. In Ländern, in denen Fotohandys oder andere mobile Geräte stark verbreitet sind, gehört das mobile Tagebuch-Schreiben schon zum Alltag. In anderen Ländern, wo das noch nicht der Fall ist, wird es eben schwerer mit dem mobilen Weblog loszulegen. Aber Moblogging kommt, daran besteht kein Zweifel.
Greenfield: Ich stehe der Sache wahrscheinlich zu nahe, um mir eine objektive Meinung bilden zu können. Aber von dem, was ich von Zuhörern und Referenten gehört habe, war die Konferenz ein außerordentlicher Erfolg. Der Andrang war groß, wir mussten die Leute buchstäblich im Pulk an der Tür abweisen. Die Panels und Präsentationen waren ein wenig uneinheitlich, das muss ich zugeben, aber das hat damit zu tun, dass Moblogging noch am Anfang steht. Wir hatten einerseits Teilnehmer, die sich mehr für die Business-Seite interessierten. Anderseits gab es Leute, die vor solchen Umsatz-getriebenen Anzugträgern offenbar Angst hatten. Netzeitung: Ist Moblogging tatsächlich ein wachsender Trend? Greenfield: Rein mathematisch gesehen ja. 2001 gab's das noch gar nicht, 2002 führten nur eine Handvoll Leute ein mobiles Tagebuch und 2003 sind es schon Hunderte. Die zunehmende Verfügbarkeit der Geräte und der nötigen Dienste hilft. Es wird Firmen geben, die Technologien speziell für das Moblogging entwickeln und die wichtigen Mobilfunkanbieter werden sie unterstützen.
Greenfield: Das steht für mich außer Frage. In den nächsten zwölf Monaten wird es sicherlich ein Nachrichtenereignis geben, dass sehr stark von Mobloggern beeinflusst wird, die per Fotohandy die Bilder ins Web stellen. Ich hoffe, dass es sich bei dem Ereignis nicht um eine Katastrophe handeln wird, wie das koreanische U-Bahn-Feuer. Netzeitung: Wie gut ist die Technologie schon? Greenfield: Die Technologie ist, sagen wir mal, in einer öffentlichen Beta-Version verfügbar. Die Nutzung ist wenig elegant und zusammengeschustert. Es gibt auch große Unterschiede, je nach dem, welches Gerät oder Content-Management-System man hat. Aber das Publizieren in Echtzeit gibt den Leuten einiges, so dass sie diese Hürden gerne überwinden. Die Fragen stellte Ben Schwan.
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