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Umsatzschwund der Musikbranche:
Experten streiten um Schuld der Tauschbörsen

13. Jul 2003 15:25
Sebastian Krumbiegel
Die Musikindustrie beklagt sinkende Ab- und Umsätze – doch wer daran Schuld trägt, ist umstritten. «Prinzen»-Sänger Krumbiegel hält die Plattenbranche für mitverantwortlich.

Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band «Die Prinzen», sieht einen Grund für die sinkenden Umsätze der Musikindustrie in Fehlern der Branche. Die Musikindustrie habe Musik häufig zu einer «austauschbaren, künstlichen Ware» gemacht, sagte Krumbiegel in einer Diskussion des Magazins «Focus». Die Konsumenten erfassten nicht mehr den Wert guter Musik.

«Viele Menschen können nicht mehr erkennen, dass hinter den Produktionen Kreativität und harte Arbeit stecken. Daraus entstand ein Nährboden für Piraterie – für das schnelle Beschaffen und Wegwerfen von Songs», sagte Krumbiegel und verwies dabei auf die «so genannten Superstars» der RTL-Show.

«Eingefahrene Denkmuster» kritisiert

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Auch Martin Kretschmer, Experte für Urheberrecht und Initiator für den Erhalt der Privatkopie, kritisierte in der Diskussion die Musikindustrie. Die Gründe für den Umsatzschwund lägen in «eingefahrenen Denkmustern»: «Es reicht nicht, wie in den vergangenen Jahrzehnten CDs mit festen Songfolgen in die Regale zu stellen und die Verkaufszahlen über das Fernsehen zu pushen.» Die Internet-Tauschbörsen zeigten, dass die Musikliebhaber die Lieder für ihre CDs selbst zusammenstellen wollten.

Eben diesen Tauschbörsen gibt indes die Musikindustrie die Schuld an den dramatisch gesunkenen Umsätzen. «Wir haben im vergangenen Jahr 165 Millionen CD-Alben absetzen können, im selben Zeitraum sind 260 Millionen Rohlinge mit Musik bespielt worden», sagte der Chef des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Gerd Gebhardt dem «Focus». 2002 hätten Tonträgerhersteller 800 Arbeitsplätze abbauen müssen, der Handel weitere 500.

Geplantes Angebot stockt

Doch Branchenexperten werfen der Musikbranche vor, auf die illegalen Tauschbörsen nur mit wenig attraktiven Online-Gegenangeboten zu reagieren. Auch das Angebot «Phonoline», das die deutschen Plattenfirmen planen, kommt nur langsam in Gang. «Es gibt ungeklärte Punkte», räumte Gebhardt ein: «Die Technik, die Abrechnungswege, die Bezahlsysteme zum Beispiel.»

Prinzen-Sänger Krumbiegel entgegnete, es gebe bereits erfolgreiche Modelle, an denen sich die Branche orientieren könne, etwa «Itunes Music Store», das Angebot des US-Unternehmens Apple. Das eigentliche Problem bestehe darin, «dass es Ihrem Verband nicht gelingt, sich mit den Plattenfirmen zu einigen», sagte Krumbiegel Gebhardt. (nz)

 
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