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US-Spionagesystem: Das Web spioniert zurück

07. Jul 2003 13:08
Der Staat hat immer mehr Möglichkeiten, seine Bürger zu überwachen. Ein MIT-Projekt wehrt sich: Es werden Daten über die US-Regierung gesammelt.

Die US-Regierung sammelt mit umstrittenen neuen Überwachungssystemen wie dem «Total Information Awareness»-Projekt (TIA) Daten über ihrer Bürger. Der Legitimationsgrund: Terrorabwehr.

Zwei Forscher am renommierten Medialab des MIT spionieren jetzt zurück. Mit ihrem «Government Information Awareness»-Projekt (kurz GIA) starteten sie passend zum US-Unabhängigkeitstag am vergangenen Freitag eine neue Web-Plattform, die die Regierung selbst überwachen soll.

Neben öffentlich verfügbaren Daten über Regierungs- und Justizvertreter sowie Beamte der Exekutive werden bei GIA auch Materialien («Intelligence») gesammelt, die die Bürger selbst in das System übermitteln.

Ein Geheimdienst für die Bürger

«Es ist so eine Art Bürger-CIA», so Medialab-Lehrer Chris Csikszentmihalyi zum «Boston Globe». Csikszentmihalyi betreibt das System zusammen mit dem Studenten Ryan McKinley, der demnächst sein Studium abschließt. GIA, das seit seiner Bekanntgabe im Web viel besucht wird und einige Server-Zusammenbrüche erlebte, orientiert sich ironisierend an den öffentlich zugänglichen Informationen zu TIA.

«Wenn die totale Informationserfassung wirklich existiert», so Erfinder McKinley, «dann sollten mindestens die gleichen Informationen auch von der Führungsebene vorliegen. Und die müssen meiner Meinung nach sogar noch transparenter sein.»

Überwachung von Politikerbildern

Mehr in der Netzeitung:
Technisch arbeitet GIA ähnlich wie Google und andere Suchindexe. Web-Ressourcen werden systematisch nach Namen abgefragt und Daten zusammengetragen. So kommen beispielsweise Informationen darüber zusammen, wer von welchen Firmen wie hohe Spendensummen erhalten hat.

Außerdem werden auch Bilder erfasst - der Parlamentskanal C-SPAN, auf dem die wichtigsten Sitzungen von US-Regierungsorganen gezeigt werden, wird von den GIA-Computern den ganzen Tag über beobachtet. Aus Namen werden so Gesichter - per Mausklick erhält man anschließend Dossiers über die dargestellten Personen oder kann sie auf eine
«Beobachtungsliste» übernehmen.

Keine Angst vor Verleumdung

Mehr im Internet:
Jeder Bürger darf neue Informationen zu den Politikern und öffentlichen Beamten hinzufügen. Im Detail überprüft werden diese nicht, was McKinley und Csikszentmihalyi offenbar ebenfalls bei TIA abgeschaut haben, einem System, das grundsätzlich alle verfügbaren Daten sammeln soll.

Die Gefahr, dass verleumderische Informationen online gehen, muss nun abgewartet werden. Der grundsätzliche Ansatz von GIA ist jedoch vom amerikanischen Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Der endgültige Plan des Web-Systems: Eine massive Datenbank, die den Staat genauso effektiv überwacht, wie es der Staat derzeit mehr und mehr mit seinen Bürgern tut.

 
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