US-Spionagesystem: Das Web spioniert zurück
07.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Zwei Forscher am renommierten Medialab des MIT spionieren jetzt zurück. Mit ihrem «Government Information Awareness»-Projekt (kurz GIA) starteten sie passend zum US-Unabhängigkeitstag am vergangenen Freitag eine neue Web-Plattform, die die Regierung selbst überwachen soll.
Neben öffentlich verfügbaren Daten über Regierungs- und Justizvertreter sowie Beamte der Exekutive werden bei GIA auch Materialien («Intelligence») gesammelt, die die Bürger selbst in das System übermitteln.
«Wenn die totale Informationserfassung wirklich existiert», so Erfinder McKinley, «dann sollten mindestens die gleichen Informationen auch von der Führungsebene vorliegen. Und die müssen meiner Meinung nach sogar noch transparenter sein.»
Außerdem werden auch Bilder erfasst - der Parlamentskanal C-SPAN, auf dem die wichtigsten Sitzungen von US-Regierungsorganen gezeigt werden, wird von den GIA-Computern den ganzen Tag über beobachtet. Aus Namen werden so Gesichter - per Mausklick erhält man anschließend Dossiers über die dargestellten Personen oder kann sie auf eine
«Beobachtungsliste» übernehmen.
Die Gefahr, dass verleumderische Informationen online gehen, muss nun abgewartet werden. Der grundsätzliche Ansatz von GIA ist jedoch vom amerikanischen Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Der endgültige Plan des Web-Systems: Eine massive Datenbank, die den Staat genauso effektiv überwacht, wie es der Staat derzeit mehr und mehr mit seinen Bürgern tut.
Für das Web ediert von Ben Schwan

