netzeitung.deBildtelefone mit unerwünschten Nebenwirkungen

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Aufgenommen mit einem Nokia 3650 in Kidricevo, Ptuj, Slovenien (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Aufgenommen mit einem Nokia 3650 in Kidricevo, Ptuj, Slovenien
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Verbreitung von Fotohandys hat unerwartete Effekte: US-Voyeure knipsen Frauenpopos und Japanerinnen klauen Zeitschriften per Schnappschuss.

Fotohandys sind der Trend des Jahres. Wer sich heute irgendwo auf der Welt ein Mobiltelefon mit Farbdisplay kauft, bekommt gleich eine integrierte Kamera mit. Deren Bilder lassen sich dann sehr einfach an andere Mobiltelefone schicken oder ins Internet stellen - Funktionen, die Netzbetreiber und Handy-Hersteller als spaßig und trendy anpreisen. Doch der Fotohandy-Boom hat unerwartete Nebenwirkungen - und die sind gut wie schlecht.
«Erstes Medium vor Ort»
Die Guten: Medienwissenschaftler erwarten, dass das Fotohandy mit seinen (noch) pixeligen und ruckeligen Bildern bald die tragbare Videokamera als «erstes Medium vor Ort» ablösen könnte. Passiert irgendwo auf der Welt ein Großereignis, ermöglichen die immer in der Tasche steckenden Fotohandys jedem Anwesenden die Aufnahme erster Bilder.

Sind die Geräte dann auch an das Internet angeschlossen und man hat Zugang zu einem Netztagebuch (Weblog), kann man sofort zum Live-Publizisten werden. Immer mehr solcher «Moblogs» oder «Photoblogs» sind in Web zu finden. Demonstranten bei den Anti-Irak-Kriegs-Protesten nutzten sie, um online das Ausmaß ihrer Bemühungen zu dokumentieren – viele US-Medien veröffentlichten kaum Bilder.

Digitaler Handy-Diebstahl
Kommen wir – aus Sicht des Handels - zu den weniger guten Nebenwirkungen: In Japan, dem Land, wo die Geräte am weitesten entwickelt sind (bessere Auflösung, größere Displays), geht unter trendbewussten Mädchen derzeit der «Informationsdiebstahl» um. Wie die britische «BBC» am Montag berichtete, gehen in Japan weibliche Handybesitzer gerne in Buchläden und knipsen die aktuellen Modetipps aus Hochglanzmagazinen, um sie dann per Handy an ihre Freundinnen zu verschicken - ohne das Heft zu kaufen, versteht sich.

Der japanische Handel plant nun eine nationale Kampagne, um auf den «digitalen Mundraub» aufmerksam zu machen und ihn zu ächten. Gegen das Problem vorzugehen gestaltet sich jedoch eher schwierig: Wie sollen Verkäufer unterscheiden, ob die Kundinnen Magazine abfotografieren oder einfach nur telefonieren oder mailen?

Abgelichtete Hinterteile
Die leichte Handhabung der Fotohandys beschleunigt auch das Dokumentieren von nackten Tatsachen im Internet: So boomen im Web derzeit Sites, auf denen Fotohandy-Besitzer Schnappschüsse ihrer Mitmenschen präsentieren. Eines der Angebote aus den USA, «Mobileasses.com», hat sich auf die Darstellung von (angezogenen) Hinterteilen spezialisiert - inklusive genauer Tipps, wie man diese am besten «einfängt». Die «Opfer» erfahren davon in der Regel nichts.

Handy-Hersteller bauen in ihre Geräte inzwischen nicht abschaltbare Mechanismen ein, die den Auslöser einer Kamera per Ton simulieren - um Voyeuren das Handwerk zu erschweren.


Für das Web ediert von Ben Schwan