Streit um Linux: SCO beschuldigt Torvalds19. Jun 2003 10:48  | Linus Torvalds | Foto: web |
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Im Streit um die Rechte an Unix und Linux greift Klageführer SCO den Linux-Erfinder Linus Torvalds an. Er schere sich nicht um Patente, heißt es.
Im Streit um möglicherweise gestohlenen Code im freien Betriebssystem Linux hat SCO, der Rechteinhaber des Vorgängerbetriebsystems Unix, nun Linux-Erfinder Linus Torvalds persönlich angegriffen. Die Klageschrift gegen den IT-Konzern IBM, in der die kleine Software-Firma inzwischen insgesamt drei Milliarden Dollar unter anderem wegen «Geheimnisverrates an die Linux-Gemeinde» fordert, enthält seit Montag auch ein Dokument, das sich mit dem Verhalten Torvalds' gegenüber Urheberrechten beschäftigt. Dies berichtet die «New York Times», der das Papier offenbar vorliegt.
Torvalds und die Rechte
Torvalds habe eine nicht gerade strikte Haltung gegenüber Rechten des geistigen Eigentumts, heißt es in dem Dokument. Das hätten die Manager von IBM, die Linux inzwischen mit hohen Investitionen unterstützen, gewusst: «Ein großer Fehler von Linux ist die Unfähigkeit und / oder der Unwille seines Prozess-Managers Linus Torvalds, die Rechte am beigetragenen Programmcode der vielen teilnehmenden Software-Entwickler zu identifizieren.» Falls Programmteile aus dem seit 1995 im Besitz von SCO befindlichen Unix in Linux existierten, gäbe es keinen Weg für Torvalds, dies zu überprüfen. Er habe eine «frag' nichts, sag' nichts»-Haltung.
«Ich überprüfe das nicht»
Als Beweis führt SCO in dem Gerichtsdokument laut «New York Times» einen Mail-Wechsel innerhalb einer Linux-Mailingliste auf, in dem ein Programmierer von einer Patent-Angelegenheit spricht, die man «nicht ignorieren» könne. Torvalds habe geantwortet: «Wir können, und ich werde es auch.» Er würde prinzipiell keine Patentnachforschungen betreiben, weil es einerseits eine schlimme Zeitverschwendung sei und er es andererseits einfach «nicht wissen» wolle. Techniker wie er seien besser gestellt, wenn sie nicht wüssten, was Patente besagten, weil man sie dann nicht willentlich verletzen könne. In einer Stellungnahme von Anfang Juni meinte Torvalds dazu, er habe damit nur einen offenen Beitrag in der undurchsichtigen Patentdebatte liefern wollen, die heutzutage liefe. Er könne da ehrlich sein.
Piraterie-Vorwurf steht noch Beweise, das Linux tatsächlich «Zeile für Zeile» aus dem Code von SCOs Unix besteht, hat die Firma nach wie vor nicht geliefert, behauptet dies aber ständig. Aufgrund der offenen Natur von Linux, bei dem jeder Mensch auf die Programmzeilen schauen kann, sollte das Problem eigentlich schnell zu überprüfen sein, zitiert die «New York Times» ungenannte Open-Source-Software-Experten. Wann und ob das getan wird, ist noch unklar. Für Torvalds könnte es jedenfalls ungemütlich werden: SCO-Chef Darl McBride hatte im Mai verkündigt, den Linux-Erfinder vielleicht selbst vor Gericht bringen zu wollen. Das wäre die Eskalation eines bereits jetzt schon weitläufigen Falles, der die ganze Open-Source-Bewegung zu bedrohen scheint.
Für das Web ediert von Ben Schwan |