Linux soll Quellcode gestohlen haben
17. Jun 2003 14:08
Zum Streit um die Rechte an Unix und Linux hat sich der Chef des klageführenden Firma SCO nun in einem Interview geäußert. Linux soll Code «Zeile um Zeile» gestohlen haben.
Darl McBride, CEO der kleinen SCO Group, die IBM wegen Verletzung von Rechten an ihrem Unix-Code auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagt und nun auch mit Verfahren gegen andere Linux-Firmen gedroht hatte, äußerte sich in einem Interview mit dem IT-Nachrichtendienst «News.com». McBride hat kein Problem damit, nun die Linux-Community gegen sich zu haben: «Wir müssen die Sache mit den Verletzungen am geistigen Eigentum in Linux klären, sonst schütten wir das Kind mit dem Bade aus». Den Open-Source-Ansatz findet McBride an sich gut: Das hier Tausende von Programmierern weltweit an Problemen zusammenarbeiteten sei «sehr cool».
Zeile für Zeile wir kontrolliert
Der Quelltext des freien Betriebssystems enthalte Code, der «Zeile um Zeile» aus dem geschützten SCO-Unix-System kopiert sei - und zwar nicht nur in der Funktionalität, sondern «Wort für Wort» in den Code-Zeilen. SCO habe drei Teams von Programmierern eingesetzt, um die Ähnlichkeiten zwischen SCOs System 5, IBMs Unix AIX und Linux, das von IBM inzwischen massiv gefördert wird, festzustellen.McBride ließ zudem Briefe an insgesamt 1500 große Firmen in der Welt verschicken, in denen stand, das SCO annehme, Linux könne seine Rechte verletzen - und potenziell entsprechende rechtliche Schritte im eigenen Sinne ankündigte:«Wir dachten, das es nötig sei, der Welt von unseren Problemen zu
berichten.»
Linux als Piraten-Software
McBrides Meinung nach nutzen Firmen, die Linux nutzen, «Systeme, in denen grundsätzlich Piraten-Software läuft». Er sieht ein Potenzial für Klagen, für Schadenersatz. Unternehmen, die Linux einsetzten, seien für den Code zwar nicht verantwortlich, es gäbe aber diverse Parteien, die das Problem generiert hätten. McBride meinte damit vor allem die Linux-Vertreiber selbst. Die IBM-Klage wurde inzwischen auf über drei Milliarden Dollar erhöht, nachdem der Konzern eine 100 Tage Frist verstreichen ließ. Unix-Produkte soll die Firma nicht mehr verkaufen.
Kein Ende von Linux
McBride betonte, man habe nicht vor, Linux «abzuschalten»: «Wir wollen nur sicherstellen, das unser Recht am geistigen Eigentum gewahrt bleibt.» Die Linux- und Open-Source-Gemeinde sieht SCOs Anschuldigungen nach wie vor mit großer Skepsis. Rob Landley von der Open Source Initiative (OSI) bezeichnete SCOs Position gegenüber der Netzeitung gar als «Drogenhalluzination». Den kopierten Code hat außer IT-Analysten, die in Sachen Details zum Stillschweigen verpflichtet wurden, noch niemand gesehen. Zudem sind SCO-Grundrechte an Unix weitläufig umstritten.
Für das Web ediert von Ben Schwan