10. Jun 2003 11:37
Bruce Sterling hält das Überwachungssystem «Total Information Awareness» für absurd. Bei einer konsequenten Umsetzung würde sich die Regierung selbst auslöschen, so der Science-Fiction-Autor.
Im Gespräch mit Fachjournalist Declan McCullagh vom IT-Nachrichtendienst «News.com» nennt Sterling das Überwachungssystem einen «verrückten Plan». Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass längst verfügbare Suchtechnologien wie Google Ähnlichkeiten mit der großen «Datamining»-Technik haben, an der die Pentagon-Militärforschungsbehörde DARPA unter Leitung des umstrittenen Ex-Generals John Poindexter arbeitet.«Man wird keine Beweise mehr vertuschen können. Man wird immer einen Datenschatten hinter sich herziehen.» TIA soll diese Daten an einer einzelnen Stelle sammeln.
Lösungen sieht der Science-Fiction-Autor (letztes Buch: «Tomorrow Now») nicht: «Warum sollte es eine Lösung geben?». Wir müssen uns an die Überwachung gewöhnen, so Sterling. «Es gäbe mehr Datenschutz, wenn alle Analphabeten wären, aber das würde ich nicht als Privatsphäre bezeichnen, sondern Ignoranz. In dem Maß, in dem die Unkenntnis abnimmt, nehmen gleichzeitig die Möglichkeiten zu, Daten zu sammeln - und für verschiedene Zwecke zu manipulieren.»Doch an ein großes TIA glaubt Sterling nicht - die Politik würde sich selbst auslöschen: «Wer würde in einem solchen Land investieren?»