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Überwachungssystem der USA: «Ein verrückter Plan»

10. Jun 2003 11:37
Logo des Überwachungssystems
Bruce Sterling hält das Überwachungssystem «Total Information Awareness» für absurd. Bei einer konsequenten Umsetzung würde sich die Regierung selbst auslöschen, so der Science-Fiction-Autor.

Der Science-Fiction-Autor und IT-Experte Bruce Sterling hat sich in einem Interview kritisch zum neuen US-Überwachungssystem «Total Information Awareness» (TIA, seit kurzem auch: «Terrorist Information Awareness») geäußert. Das Überwachungssystem - Antwort der US-Regierung auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 - könnte sogar der Regierung selbst schaden.

Alle haben einen Datenschatten

Hintergrund: Was ist das "Total Information Awareness"-Programm?
Im Gespräch mit Fachjournalist Declan McCullagh vom IT-Nachrichtendienst «News.com» nennt Sterling das Überwachungssystem einen «verrückten Plan». Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass längst verfügbare Suchtechnologien wie Google Ähnlichkeiten mit der großen «Datamining»-Technik haben, an der die Pentagon-Militärforschungsbehörde DARPA unter Leitung des umstrittenen Ex-Generals John Poindexter arbeitet.

«Man wird keine Beweise mehr vertuschen können. Man wird immer einen Datenschatten hinter sich herziehen.» TIA soll diese Daten an einer einzelnen Stelle sammeln.

«Wer will in den USA leben?»

Mehr in der Netzeitung:
«Ein verrückter informationshungriger KGB oder eine relativ offene und aufrichtige Regierung? Wer will schon in einen USA leben, in der es TIA gibt?» Sterling prognostiziert auch Auswirkungen auf die Politik. Skandale wie die Lewinsky-Affäre um Ex-Präsident Bill Clinton könnten von denjenigen, die über ein System wie TIA herrschten, blitzschnell aufgedeckt werden: «Das wird eine Serie von Amtsenthebungen in der republikanischen Partei zur Folge haben», scherzt Sterling.

An die Überwachung gewöhnen

Mehr im Internet:
Lösungen sieht der Science-Fiction-Autor (letztes Buch: «Tomorrow Now») nicht: «Warum sollte es eine Lösung geben?». Wir müssen uns an die Überwachung gewöhnen, so Sterling. «Es gäbe mehr Datenschutz, wenn alle Analphabeten wären, aber das würde ich nicht als Privatsphäre bezeichnen, sondern Ignoranz. In dem Maß, in dem die Unkenntnis abnimmt, nehmen gleichzeitig die Möglichkeiten zu, Daten zu sammeln - und für verschiedene Zwecke zu manipulieren.»

Doch an ein großes TIA glaubt Sterling nicht - die Politik würde sich selbst auslöschen: «Wer würde in einem solchen Land investieren?»

 
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