03.06.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im File-Sharing-Netz Kazaa tauschen Millionen von Usern Musik und Filme. Der Betreiber will nun damit Geld verdienen und die Nutzer belohnen - wenn sie legale Dateien tauschen.
Sharman Networks, der Besitzer des umstrittenen Dateitauschnetzes Kazaa, will noch in dieser Woche eine neue Version seiner Filesharing-Software anbieten. Mit Hilfe dieser bekommen Nutzer künftig Geld, wenn sie legale Dateien anbieten und Tauschen.
Mittels der Festplatten und Breitbandanschlüsse der User können Programme oder Musik sehr schnell über eine enorm große Fläche verteilt werden - und das direkt an die Zielgruppe. Eine Möglichkeit, die Kazaa zum Geldverdienen nutzen will. Sachpreise sollen die Benutzer anregen, mitzumachen, damit die legalen Dateien effizient verteilt werden.
Vorstoß in die LegalitätBares Geld bekommen die Mitglieder nicht, sie können nur Punkte, so genannte Peer Points, sammeln. Entsprechend dem Punktekonto können dann Sachpreise gekauft werden, eine Technik, die aúch Systeme wie «Webmiles» nutzen.
Den Ablauf wird die Software Altnet der Firma Brilliant Digital regeln. Altnet ist schon länger Teil von Kazaa - für die Nutzer allerdings fast unsichtbar.
Sharman Networks plant mit dem neuen Projekt offenbar endgültig den Vorstoß ins legale Geschäft. Bislang verdient die Firma ihr Geld mit Werbung, die während des Dateitausches der Nutzer in Kazaa eingeblendet wird. Bei den getauschten Dateien handelt es sich bisher zumeist um Raubkopien von Musik und Videos.
Sharman war deshalb bereits das Ziel diverser Klagen der Medienindustrie, bisher ohne Erfolg. Die Software Kazaa ist inzwischen der beliebteste Download im Internet - 230 Millionen Mal wurde das kostenlose und werbefinanzierte Programm bereits heruntergeladen.
Schlechter Ruf als Hindernis60 Millionen Nutzer soll Kazaa inzwischen haben. Diese suchen 120 Millionen Mal am Tag nach Dateien. Altnet bewirbt diese Zielgruppe bei verschiedenen Inhalteanbietern.
Welche Art von Files die User (offenbar automatisch) verteilen sollen, ist noch unbekannt - auch, ob es sich dabei um Bezahlinhalte handelt oder ob es einfach darum geht, bestimmte Software oder Medienprodukte einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Beobachter zweifeln daran, dass ein Unternehmen mit einem derart schlechten Ruf in der Medienbranche nun erfolgreich darin sein kann, Verteilinstrument eben dieser Branche zu werden.