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«Googles Suchprinzip ist tot»

28. Mai 2003 11:33
Jeremy Zawodny
Die zahlreichen Links in den Weblogs verwirren Google: Die Suchmaschine setzt die Netztagebücher bei Suchanfragen inzwischen oft nach vorne. Ein Interview mit Google-Kritiker Jeremy Zawodny.

Zur Person: Jeremy Zawodny
Zawodny arbeitet als IT-Spezialist und Linux-Experte bei Yahoo Finance. Sein privates Weblog-Posting mit dem Titel "Pagerank is dead" ("Pagerank ist tot") sorgte in den letzten Tagen für viel Wirbel, weil er darin Googles Suchsystem
aufgrund seiner potenziellen Korrumpierbarkeit durch Weblogs für tot
erklärte.
Einträge in Netztagebüchern, die traditionell unter einander stark verlinkt sind, verwirren Googles «Pagerank»-Technik - ein Faktum, das schon länger bekannt ist. Die Netzeitung sprach mit Zawodny über Ursachen und Folgen.

Netzeitung: Herr Zawodny, ist Googles Suchtechnik «Pagerank» wirklich tot?

Jeremy Zawodny: Sie ist nicht tot, aber ich vermute, dass die Ingenieure und Wissenschaftler bei Google mehr und mehr Zeit investieren müssen, um die Faktoren nachzujustieren, die in die Berechnung der Suchergebnisse einfließen. Und es wird wahrscheinlich schwerer und schwerer, die Balance zu halten.

Vom originalen Prinzip hinter Pagerank gesehen würde ich sagen, dass es tot ist. Die einfache Idee, die Struktur des Web dazu zu benutzen [unter anderem mit Hilfe der Anzahl der auf Seiten gelegten Hyperlinks, Anm. d. Red.], zu entscheiden, was wichtig ist, funktioniert in vielen Fällen nicht mehr - und das ist schon lange so, mit jede Menge «Hacks» hat sich Google bisher geholfen.

Netzeitung: Wann liegt Google beispielsweise daneben?

Mehr im Internet:
Zawodny: Ich kann ein Beispiel nennen, das mich selbst betroffen hat. Kürzlich kam Redhat 8.0 [eine Linux-Distribution, Anm. d. Red.] heraus und ich stellte die Software auf einen anderen Server, damit Freunde von mir sie schneller herunterladen konnten. Nach nur wenigen Tagen fand die Google-Suche nach «Redhat», «8.0» und «iso» [für das Dateiformat, Anm. d. Red.] den Eintrag, den ich dazu in meinem Weblog gemacht hatte, sehr weit oben.

Meine Server wurden von Downloads praktisch überrannt, Gigabytes gingen da rüber. Ich musste sie abschalten und bekam dann Hunderte von Mails von Leuten, die Zugriff wollten - noch Wochen später. Hätte ich wirklich so weit oben bei Google gelistet werden dürfen? Schwer zu sagen. Aber wirklich richtig scheint mir das nicht.

Netzeitung: Warum tut Google nichts dagegen, besonders, wenn man die Technik des so genannten «Google Bombing», bei denen Weblogs sich gegenseitig innerhalb der Suchrangfolge hochtreiben, schon länger kennt?

Zawodny: Google arbeitet wohl an dem Problem und löst die Dinge schrittweise. Aber ich glaube, dass sie jedes Mal, wenn sie etwas verändern, um einen solchen «Fix» hinzubekommen, andere Dinge kaputtmachen müssen.

Netzeitung: Angeblich plant Google, Weblogs aus seiner Hauptsuche zu nehmen. Wäre das eine Lösung?

Zawodny: Ich denke nicht, dass das Entfernen von Blogs eine gute Idee ist. Es wäre schön, wenn man nur innerhalb von Weblogs suchen könnte, aber sie sollten nicht aus dem Hauptindex genommen werden. Es gibt sehr viele gute Informationen in den Blogs.

Die Fragen stellte Ben Schwan.


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