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«Der Blog-Hype ist nicht übertrieben»

27. Mai 2003 10:57
Am Wochenende fand in Wien die erste europäische Weblog-Konferenz statt - die BlogTalk. Thomas N. Burg von der Donau-Universität Krems zieht im Gespräch mit der Netzeitung ein Fazit.

Thomas N. Burg ist Chef des Zentrums für Neue Medien an der Donau-Universität Krems und Organisator der Blogtalk-Konferenz, die am Wochenende im Wiener Tech Gate zu Ende ging. Mit dabei waren unter anderem Deutschlands bekanntester Blogger Jörg Kantel, «Cluetrain-Manifesto»-Autor David Weinberger, Weblog-Expertin Rebecca Blod und der bloggende IT-Journalist Dan Gillmor.

Netzeitung: Herr Burg, war die Blogtalk-Konferenz Ihrer Meinung nach ein Erfolg?

Mehr in der Netzeitung:
Thomas N. Burg: Ja, auf jeden Fall. Es ist gelungen, Referenten aus einer Vielzahl von europäischen Ländern mit Nordamerikanern zusammenzubringen. Erstmals wurde zum Thema Weblogs eine internationale Konferenz abgehalten und das in Europa. Normalerweise hinken wir den Amis immer hinterher, diesmal war es anders. In Boston findet ein ein Event erst im Juni statt.

Netzeitung: Können Sie ein paar Zahlen nennen?

Burg: 150 Besucher, 20 Vortragende, drei Keynote-Speaker, vier Moderatoren, ein Kurzfilm, 22 Live-Blogger.

Netzeitung: Warum ist die Weblog-Bewegung in Europa scheinbar hinter der Bewegung in den USA zurück?

Mehr im Internet:
Burg: Das lässt sich einerseits durch den Lebenszyklus des Internet erklären. In den USA wird eine Software entwickelt, bis die in Europa verfügbar ist, vergeht Zeit. Zudem fehlt es in Europa ein wenig an den Role Models, was sicher daran liegt, dass Europa ein kulturell heterogener Raum ist und jeweils regional - das heisst in der Regel sprachbezogen - agieren muss. Aber das kann ja auch ein Vorteil sein.

Netzeitung: Werden Weblogs zu sehr gehypt?

Burg: Nein, ich denke zu wenig. Wir sprechen ja nach wie vor von einem Nischenphänomen. Im Business-Zusammenhang werden sie ja im wesentlichen überhaupt noch nicht rezipiert, wie wir auf der Konferenz gehört haben. Hype: Wieviele Blogger wird es denn im deutschen Sprachraum geben: 7000 oder mehr?

Netzeitung: Welche Eindrücke hatten Ihre amerikanischen Konferenzteilnehmer von der europäischen Szene?

Burg: Es gab eine Reihe exzellenter Gespräche. Europa und seine Kulturen - auch bezüglich Weblogs - sind einfach anders. Die Europäer waren auf der Konferenz wesentlich konkreter in ihren Präsentationen als die Nordamerikaner - mit Ausnahme vielleicht des in Toronto lebenden Iraners Hossein Derakhshan.

Netzeitung: Wird es weitere Blogtalk-Konferenzen geben? Wenn ja wann und welche Schwerpunkte werden diese haben?

Burg: Blogtalk war international ein großer Erfolg - auf beiden Seiten des Teiches. Es wird etwas nachkommen. Was? Vielleicht eine technologieorientierte Konferenz, vielleicht etwas völlig Neues - sozial, kommunikativ, technologisch?

Die Fragen stellte Ben Schwan.

 
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