netzeitung.deSuchsystem erwischt falschen Musikpiraten

 Herausgeber: netzeitung.de

Ein Suchsystem des US-Musikverbandes RIAA fand angeblich geklaute Musik eines Soul-Künstlers auf einem Uni-Rechner. Die Dateien waren jedoch Arbeiten eines Professors gleichen Namens.

Ein scharfer Brief mit dem Hinweis auf eine Urheberrechtsverletzung, geschickt an die renommierte Penn State University, hat sich im Nachhinein als Fehler des amerikanischen Schallplattenverbandes RIAA erwiesen. Das an das Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität gerichtete Schreiben, über das nun der US-IT-Nachrichtendienst News.com berichtete, enthielt die Forderung, eine Site mit angeblich geklauten Musikdateien «sofort zu entfernen». Allerdings existierten urheberrechtlich geschützte MP3-Files auf dem inkriminierten Server gar nicht.
Ein Missverständnis
Des Rätsels Lösung: Die RIAA hatte sich von einfachen missverständlichen Dateinamen irreleiten lassen. So besitzt zufälligerweise einer der emeritierten Professoren des Instituts den gleichen Namen wie der Soul-Künstler «Usher». Doch Gesang ist in den von der RIAA per automatischem Suchsystem entdeckten Uni-Dateien nicht enthalten - dafür aber deren Professor Peter Ushers Arbeiten zum Thema Quasare. Und auch ein A-Capella-Song über den Swift-Gamma-Ray-Satelliten, den einige Astronomen in ein MP3-File gesteckt hatten, verletzte ebenfalls das Urheberrecht der RIAA-Mitgliedsfirmen nicht. Laut News.com triggerte offenbar die Kombination aus den Worten «Usher» und der Dateiextension «.mp3» das RIAA-Suchsystem.
Automatisch abgemahnt
Das scheint dann weitgehend automatisch Urheberrechtsverletzungs-Abmahnungen zu verschicken - auch ohne eine genauere Prüfung durch einen höheren Angestellten der RIAA. In diesem Fall musste sich der mächtige Schallplattenverband bei der Penn State University entschuldigen. Schuld sei ein Zeitarbeiter gewesen, gab der Plattenverband gegenüber News.com zu Protokoll. «Wir überprüfen derzeit andere Mitteilungen, die der temporäre Mitarbeiter verschickt hat.» Allerdings sei es nicht notwendigerweise üblich, dass die Internet-Urheberrechts-Truppe der RIAA die kompletten Songs abhört, die sie dann möglicherweise brieflich abmahnt.
CD für den Professor
Professor Peter Usher soll laut News.com nun ein T-Shirt und eine Usher-CD als Entschädigung erhalten. Derweil sucht die RIAA weiter nach neuen Mitteln und Wegen, Musikpiraterie im Internet zu unterbinden: Seit neuestem sendet sie potenziellen Dateitauschern im Filesharing-Netzwerk Kazaa Chat-Botschaften zu, doch bitte «keine Musik zu stehlen». «Wenn Sie das Gesetz brechen, riskieren sie ein gerichtliches Nachspiel», heißt es in der Nachricht. Die amerikanische Filmindustrie setzt derweil ebenfalls automatisierte Suchsysteme ein, um Internet-Piraten zu entdecken.

Für das Web ediert von Ben Schwan