netzeitung.deAnonyme Weblogs erlauben freie Meinungsäußerung

 Herausgeber: netzeitung.de

Wer in totalitären Staaten seine Meinung per Weblog äußert, riskiert viel. Ein neuer Dienst aus Australien ermöglicht es nun, Weblogs anonym zu führen.

Wo ist «Salam Pax»? Der Blogger aus Bagdad, der dieses Pseudonym monatelang nutzte, um über aktuelle Entwicklungen im Irak zu berichten, hat sich mehr als einen Monat lang nicht mehr gemeldet. Nutzer befürchten, Pax könnte noch vor dem Einmarsch der US-Amerikaner von Husseins Geheimpolizei verhaftet worden sein. Er hatte in seinem Weblog allzu Kritisches geschrieben.

Journalisten hatten ihn öffentlich bis zu einem Provider im Libanon zurückverfolgt. Bislang ist Pax' Verbleib ungeklärt.

Anonymes Blog
Inspiriert unter anderem von Pax' Schicksal, hat ein australisches Netzprojekt nun den ersten anonymen Weblog-Dienst gestartet.

Er soll Menschen in Ländern wie Kuba, Iran oder China helfen, schnell und unzensiert im Netz zu publizieren - ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, rückverfolgt zu werden. Der neue, kostenlose Service heißt «Invisiblog» - die Weblog-Betreiber schreiben sozusagen «unsichtbar». Ihre Internet-Herkunft wird nicht gespeichert.

Verschlüsselt
«Invisiblog» nutzt verschiedene Methoden der Verschlüsselung. Jeder Weblog-Eintrag erfolgt per kryptografisch durch die Software Gnupg signierter E-Mail - nur der tatsächliche Besitzer des Blogs kann tatsächlich Beiträge erstellen. Die E-Mail wird dann mit Hilfe des Tools «Mixmaster» durch diverse Umleitungen geführt und der Absender effektiv ausgelöscht. Niemand kann zurück verfolgen, wer hier tatsächlich geschrieben hat. Einträge sind allerdings auch nicht löschbar - einmal erstellt, existieren sie.
Noch unpolitisch
Invisiblog gibt an, richterlichen Anordnungen Folge zu leisten, falls Weblog-Einträge juristisch zu bemängeln sind. Dies soll auch mögliche beleidigende Angebote minimieren.

Bislang sind die «unsichtbaren» Weblogs noch wenig kritisch: Vom «Pimmelwinker», der über seine Schulerfahrungen bloggt, bis hin zu Aktivisten gegen das US-Urheberrecht.

Invisiblog will nun die ersten Erfahrungen abwarten und dann entscheiden, ob aus dem Dienst ein kommerzielles Angebot wird. Bannerwerbung oder anonyme Spenden für neue Features seien möglich, hieß es.


Für das Web ediert von Ben Schwan