11.04.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Google News
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gerade wurde es für einen «Webby Award» nominiert - das News-Portal von Google. Doch die Auswahl der Quellen der automatisierten Seite gibt Anlass zu Kritik.
«Google News» ist ein Paradies für alle Nachrichten-Junkies: Minutenschnell aktualisiert finden sich hier Neuigkeiten zu fast allen Themen aus Tausenden englischsprachigen Internet-Quellen - direkt als Link zur Originalnachricht. Das News-Portal arbeitet laut Angaben von Google vollständig automatisiert: Ein komplexes IT-System analysiert alle wichtigen Nachrichtendienste und stellt einen breiten Index zusammen. Menschliche Redakteure seien dafür nicht mehr notwendig.
Nicht ganz reibungslosDoch ganz so reibungslos arbeitet das News-Portal nicht: Schon zum Start des noch immer im «Beta»-Status befindlichen Dienstes gab es Kritik an der Quellenauswahl. So berichtete plötzlich die iranische Nachrichtenagentur INA prominent über Geschehnisse in Europa. Googles Reaktion damals: «Wir nutzen alle Quellen.» Seither war viel Feintuning an dem System zu beobachten - inzwischen arbeitet es besser.
Doch das Problem der Quellenauswahl verfolgt den Dienst noch immer. Wie der britische IT-Nachrichtendienst «The Register» berichtet, behandelt Google derzeit Pressemitteilungen so wie aktuelle Nachrichten.
Der Newsdienst präsentiert als Beweis einen Screenshot, in dem eine Meldung zum Kampf gegen die Musikpiraterie an amerikanischen Universitäten von «The Register», «CNET», «Slashdot» und erstaunlicherweise auch dem amerikanischen Plattenindustrieverband RIAA angeliefert wird - es war die PR-Meldung zu dem Vorfall. «The Register» nennt weitere Beispiele aus jüngerer Zeit: So war etwa ein «Press Release» der Ölfirma Exxon-Mobil leicht zu finden.
PR nicht gekennzeichnetDie Pressemitteilungen sind nicht besonders gekennzeichnet - der Absender ist in dem gleichen Format lesbar, wie jede andere professionelle Nachrichtenquelle angegeben wird. Laut Google verwende man PR-Meldungen, weil man eine breite Meinungsbildung ermöglichen wolle. Allerdings mache man mit den Werbebotschaften nicht als Headline auf. «The Register» dazu zynisch: «Google hat soeben die semantische Bedeutung des Wortes 'News' verändert.» Und in der Tat: Die Trennung von redaktionellen Angeboten und Werbung verschwimmt.
Erstaunlich allerdings, dass «Google News» eine andere, immer populärer werdende Mediengattung bislang von seinem System ausschließt: Weblogs und andere alternative News-Dienste, bei denen die Informationen nur von einer einzelnen Person beschafft und ediert werden, schließt die Suchmaschine derzeit aus, wie ein Nutzer herausfinden musste, der sich per E-Mail an den Kundenservice danach erkundigte.