Unterwäsche weiterhin ohne Funksender
09. Apr 2003 10:01, ergänzt 10:19
 | Auch zukünftig ohne Sender | Foto: Benneton |
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Der Modehersteller Benetton wollte seine Kleidung mit Minisendern ausstatten. Die Firma zog die Pläne jedoch zurück - aus Datenschutzgründen.
Die Idee klingt faszinierend: Mittels Radiofrequenz-Sendern, halb so klein wie ein Fingernagel, die Distribution von Kleidung weltweit überprüfen. Dies hatte der italienische Modehersteller Benetton vor. Die «RFID» genannten Komponenten sollten in die Etiketten von Hosen, Hemden, Blusen und Röcken der Benetton-Marke Sisley integriert werden.Die Meldung sorgte weltweit für Aufsehen: Es wäre das bislang größte Experiment mit der RFID-Funktechnologie gewesen. Den Minisendern wird eine große Zukunft im Warenverkehr und der Logistik vorausgesagt.
Viele Presseberichte
Benetton zog das Projekt nun zurück. Presseberichte über das Vorhaben wurden dementiert. Man habe nie bestritten, die Technik für die Logistik einzusetzen, doch ein Einbau in Modeetiketten sei nie geplant gewesen. Bekannt wurde das Minisender-Projekt durch den Zulieferer Philips Semi. Dieser hatte einen Vertrag mit Benetton angekündigt. Eine Verbraucherschutzgruppe rief daraufhin zum Boykott auf, berichtet der IT-Dienst «Wired News». Dies dürfte Benetton bewogen haben, sich den als «Smart Tags» bezeichneten Funksendern zu distanzieren.
100 Millionen Sender
Das Projekt hätte außerordentliche Dimensionen gehabt: Bei einer Verwirklichung wären 100 Millionen Kleidungsstücke mit Minisendern ausgestattet worden. Ein Vertreter der Datenschutzorganisation «Electronic Privacy Information Center» sagte, das Benetton-Projekt stelle eine große Gefahr für die Privatsphäre der Kunden dar - zumindest wenn die Sender unbemerkt ausgelesen würden.Im Gegensatz zu regulären Barcodes, die heute in fast allen Produkten Verwendung finden, sind die Sender auf Distanz mit Funkantennen auslesbar.
Ein Traum der Industrie
Die Chip-Industrie träumt davon, dass die Funksender, die in einfacher Form bereits in Schlüsseln und Keycards eingesetzt werden, bald in jedes Produkt eingebaut werden. Die Sender verschicken eine eindeutige ID-Nummer. Eine Batterie brauchen sie nicht: Die Komponenten funktionieren mittels Induktion. «Benetton will Sender in unsere Unterwäsche einbauen», hieß es zynisch im Internet, als die Idee bekannt wurde. Bislang sind jedoch noch nicht genügend RFID-Empfänger verfügbar.
Für das Web ediert von Ben Schwan