Sinn und Zweck von «Command Post» sei es, möglichst viele Nachrichten zum Irak-Krieg an einem Ort im Web zu sammeln, heißt es im «Mission Statement» des Weblogs. Derzeit arbeiten rund 20 Personen aus aller Welt unentgeltlich für das Projekt.
Netzeitung:: Frau Catalano, warum haben Sie «Command Post» gegründet? Michele Catalano: Als der Krieg letzte Woche ausbrach, begann ich auf meiner privaten Seite alle zehn Minuten Updates online zu stellen, während ich mehrere TV-Kanäle gleichzeitig anschaute. Ich bemerkte dann, dass das viele Blogger taten. Ich schrieb dann einen Kommentar, dass wir doch vielleicht ein Gemeinschafts-Weblog aufmachen sollten, um all die Postings zusammenzuführen. Zehn Minuten später schrieb mir mein Weblog-Freund Alan, er würde einen solchen Server aufsetzen. Netzeitung:: Wie erfolgreich ist «Command Post» bis jetzt? Catalano: Am ersten Tag hatten wir schon 7000 Hits. Inzwischen sind wir bei 100.000 Besuchern täglich. Die Zahlen steigen weiter. Netzeitung:: Welche Vorteile haben Weblogs ihrer Meinung nach gegenüber traditionellen Nachrichtendiensten? Catalano: Es gibt keine redaktionellen Einschränkungen, das ist wohl das wichtigste. Weblogs werden auch schneller aktualisiert als die Newsdienste - wenn CNN das neueste aus dem Irak endlich auf seine Seite stellt, hatten wir dieselbe Geschichte häufig 20 Minuten vorher oder noch früher. Auf Command Post haben wir mindestens 20 Leute aus der ganzen Welt, die zu jeder Zeit eine Myriade von Quellen sichten und dann News posten. Netzeitung:: Denken Sie, dass Weblogs im Fall des Irak-Kriegs wahrheitsgemäßer sein können als manches professionelle Nachrichtenangebot? Sind sie es? Catalano: Definitiv. Wir halten nichts zurück. Weblogs müssen nicht den Eindruck erwecken, sie seien unabhängig. Obwohl Command Post davon abweicht, weil es eine strikte News-Sammlung ist. (Wir haben allerdings auch eine Kommentarseite.) Weblogs insgesamt bieten eine ehrlichere, rauere Sichtweise auf aktuelle Ereignisse. Netzeitung:: Das US-Fernsehen wurde kritisiert, Informationen über den Krieg zu zensieren. Nutzen die Bürger nun die Weblogs, um ein besseres Bild zu bekommen? Catalano: Zumindest teilweise. Sie gehen generell mehr ins Internet. Wenn Sie wirklich die Bilder sehen wollen, die CNN oder andere Mainstream-Medien zensiert haben [Catalano meint in diesem Fall Aufnahmen toter und gefangener US-Soldaten, Anm. d. Red.], gehen sie einfach auf die Homepage von Al Dschasira. Danach kommen sie in die Weblogs, um die verschiedensten Meinungen darüber einzuholen - und in diesem Fall auch die ganze Wut. Netzeitung:: Welche Motivation haben Sie und Ihre Mitstreiter, das War-Blog zu führen? Catalano: Wir leben in einer Zeit, in der die Leute ihre Nachrichten schnell wollen. Sie wollen nicht mehr warten. Besonders bei diesem Krieg, der in Echtzeit im Fernsehen übertragen wird. Die meisten haben kein Kabelfernsehen im Büro, dafür aber Internet. Und wenn die Mainstream-Newssites dann langsam sind und noch die Server unter der Last von Millionen Zugriffen zusammenbrechen, bringt ein War-Blog wie Command Post die Nachrichten schneller. Netzeitung:: Wer sind Ihre Autoren?
Die Fragen stellte Ben Schwan.
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