25. Mrz 2003 11:58
Die von Al Dschasira ausgestrahlten Aufnahmen toter und gefangener US-Soldaten werden im Internet gezeigt. Die Bilder sorgen für heftige Debatten.
Während die meisten amerikanischen Fernsehsender die Aufnahmen toter und gefangener US-Soldaten nicht oder nur unkenntlich zeigten, gelangten die teils grausigen Aufnahmen innerhalb kürzester Zeit online: Als Screenshots aus dem Satellitenfernsehen, aber auch direkt über die arabische Website des Nachrichtenkanals Al Dschasira. Die Al Dschasira-Website war am Montag zwar zeitweilig unterbrochen. Gerüchte, dass es sich dabei um Sabotageakte proamerikanischer Hacker handeln könnte, erwiesen sich allerdings als falsch. Das Angebot litt wie diverse andere große Nachrichten-Sites schlicht an stark erhöhten Zugriffszahlen und kämpfte mit überlasteten Servern.
Matt Drudge, der Prototyp des Internet-Klatschreporters und bekannt als einer der Aufdecker der Lewinsky-Affäre um den Ex-US-Präsidenten Bill Clinton, stellte einige der Bilder ins Netz, nach eigenen Angaben aus Gründen «der totalen Wut». Das alternative Nachrichtenportal «Yellow Times» veröffentlichte die Aufnahmen ebenfalls, wurde von seinem Internet-Provider dann allerdings zur Herunternahme gezwungen: «Die Bilder der US-Gefangenen und diejenigen ziviler irakischer Opfer wurden von unserem Hosting-Anbieter zensiert», schrieben die Website-Macher, die auch jegliche Links zu den Schauerbildern löschen mussten, um online zu bleiben.
Die private Internet-Kriegsberichterstattung aus Irak, das so genannte «War Blogging», wird zudem zum Massenphänomen: Mehrere Hundert Netztagebücher kümmern sich derzeit ausschließlich um das Thema Irak-Krieg. Ein neues großes Angebot, das Ende letzter Woche gestartet wurde, wirbt gar mit dem Slogan, CNN sähe im Vergleich mit ihm «aus wie eine Schülerzeitung». In vielen der Angebote fehlt es jedoch an sachlicher Bewertung. Deren Links zu News aus aller Welt verbreiten sich dafür teilweise in Minutenschnelle weltweit.