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Bagdad-Blogger meldet sich nicht

24. Mrz 2003 12:08
Salam Pax schreibt sein Weblog aus Bagdad - Informationen aus erster Hand, wenn sie denn echt sind. Im Netz wird die Identität des Bagdad-Bloggers angezweifelt.

Unter dem Pseudonym Salam Pax (eine Übersetzung des Wortes Frieden auf arabisch und lateinisch) schreibt ein Unbekannter seit Monaten über die Situation in Bagdad. «Dear Raed» heißt sein Weblog, das immer mehr Leser findet und mit ihnen auch einige Zweifler.

Das in gewitztem Englisch verfasste Netztagebuch enthält neben mündlichen Berichten, die im Tagesrhythmus einlaufen, ab und zu auch Bilder - doch nie von den handelnden Personen selbst. Dies könnte im Lande Saddam Husseins zu einer Anklage wegen Hochverrates führen.

Pax liefert eine menschliche Seite der Krise und des Krieges: Wie fühlt man sich in dem Land? Was passiert auf der Straße? Wie reagieren die Bewohner?

Es ist eine deutlich andere Sichtweise, als die übliche Kriegsberichterstattung - und genau das macht viele User neugierig, ob Pax tatsächlich derjenige ist, der er vorgibt zu sein. Immerhin gibt es im Irak nur wenige Internetzugänge, die noch dazu zensiert werden.

Die «große Firewall», wie Pax sie nennt, lasse sich allerdings mit Tricks umgehen. Von denen schreibt Pax auch.

Traceroute in den Libanon

Mehr in der Netzeitung:
Der Computerjournalist Paul Boutin, der unter anderem für «Wired» und die «New York Times» schreibt, hat sich die Mühe gemacht, 'Pax' technische Echtheit zu überprüfen, gelangte allerdings zu keinem klaren Ergebnis: Zwar nutze der Bagdad-Blogger in seinen E-Mails Internet-Adressen (IPs) aus einem Bereich, der zuvor bereits von Usern des einzigen irakischen Providers Uruklink genutzt wurde. Doch eine Routenverfolgung dieser IPs habe im Libanon geendet.

Einige Blogger bekamen von Pax bereits Post, diese sei aber nicht aus dem Irak abgeschickt worden, so Boutin.

Hoaxes nicht neu

Die Community ist misstrauisch: Fälschungen, im Englischen «Hoax» genannt, gab es schon viele, auch bei Weblogs. So führte 2001 eine offenbar verhaltensgestörte US-Bürgerin über Monate Surfer an der Nase herum, in dem sie vorgab, ein krebskrankes Mädchen zu sein. Ihre Weblog-Leser schickten ihr sogar Geschenke und trauerten online, als die Betrügerin ihren Charakter «sterben» ließ.

Das Netztagebuch von «Salam Pax» ist deshalb mit Vorsicht zu genießen - ein Fakt, den viele Weblog-Fans aber berücksichtigen.

Mehr im Internet:
Trotzdem nahmen die Spekulationen in der vergangenen Woche zu, nach dem Pax in seinen letzten Postings dramatisch wurde: Er erwarte die B52-Bomber aus Großbritannien in den nächsten Stunden. Dann war Ruhe.

Seit Freitag hat sich Pax nicht mehr gemeldet, sein letztes Posting beschäftigt sich mit der Frage, ob er denn real sei. «Hört auf, mir E-Mails zu schreiben, in denen ihr fragt, ob ich echt bin. Ich mache für niemanden Propaganda, höchstens für mich selbst.» Einige User hatten in Pax bereits ein Instrument der CIA vermutet.

 
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