21. Mrz 2003 10:59
Seit Ausbruch des Krieges ist das Bedürfnis nach aktuellen Nachrichten hoch. Nicht nur Profi-Sites, sondern auch Weblogs verzeichnen Rekord-Zugriffe.
Kevin Sites, Korrespondent des Nachrichtenkanals CNN, hat seine Nebenbeschäftigung als Weblogger kurzzeitig unterbrochen. Er muss derzeit rund um die Uhr seinem Hauptjob nachgehen: Er ist Kriegsberichterstatter in Irak. Sites' Netztagebuch, das er bis vor Kriegsausbruch regelmäßig per Satellitentelefon und Laptop aktualisierte, ist eine von vielen Online-Quellen zum Irak-Krieg, die derzeit großen Zulauf haben.
Das Interesse an aktuellen Informationen ist groß: Seit Beginn des Irak-Krieges haben sich die Zugriffe auf die großen Nachrichtenportale stark erhöht. Redaktionen setzen in Deutschland und anderswo Sonderschichten ein und halten die User 24 Stunden am Tag auf dem Laufenden. Viele Medien haben ihre Server-Kapazitäten vergrößert.Es soll nicht mehr zu Problemen wie am 11. September 2001 kommen, heißt es aus den Newsrooms. Nach den Terroranschlägen waren fast alle großen Nachrichten-Sites über Stunden schlecht erreichbar - die Technik war für den Ansturm nicht ausgelegt, es kam zu Ausfällen.
Am Donnerstag hingegen bewältigten die Server von CNN.com, BBC News und anderen News-Sites den Nutzeransturm gut. Die Online-Zeitungen mussten nicht, wie bei ähnlichen Großereignissen zuvor, ihre Startseite auf das Nötigste reduzieren und von Bildern befreien, um Bandbreite zu sparen.
Viele Nachrichten-Sites stellen den Nutzern nicht mehr alle Informationen kostenlos zur Verfügung. Bei CNN.com etwa kann man fortan Videos nicht mehr kostenlos sehen: Selbst eine Live-Kamera aus Bagdad ist kostenpflichtig. Dagegen sendet beispielsweise das Portal des Kabelnetzbetreibers Ish den Live-Stream des arabischen News-Kanals Al-Jazeera im Web - gratis, wenn auch ohne englische Untertitel.Auch die Nachrichtensuchmaschinen haben Hochkonjunktur: Seiten wie Google News oder Daypop indizieren speziell die News-Angebote und stellen die wichtigsten Nachrichten übersichtlich zusammen. Kriegsbezogene Suchbegriffe verdrängen bei den Suchmaschinen die Suchbegriffe «Sex» und «Britney» von den ersten Plätzen. Bei Yahoo steht seit Donnerstag der Suchbegriff «Iraq» an erster Stelle.
Der Trend geht auch im Web zum «Zapping»: Bookmarks verschiedenster Quellen werden verfolgt. Und in Sachen Meinungsmache kämpft derzeit eine große Friedensbewegung online mit den so genannten «War-Bloggern», die den Angriff auf Irak befürworten.