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Web-Zensur verlangsamt Chinas Netz

06. Mrz 2003 11:08
China hat sich vorgenommen, eine Top-Internet-Nation zu werden. Dabei stößt die Regierung nun auf unerwartete Hindernisse: Die staatlich verfügten Zensur-Filter stören den Datenverkehr.

Breitband-Internet-Anschlüsse sind auch in China ein großer Hit. Besonders in den Millionenstädten wie Peking oder Shanghai verbreiten sie sich schnell. Doch in letzter Zeit macht das Surfen per DSL oder Kabel den Chinesen immer weniger Spaß: Wie die Zeitung «South China Morning Post» aus Hong Kong am Mittwoch berichtete, sinkt die Datenrate derzeit rapide - besonders zu den üblichen Bürozeiten.

Der Grund liegt laut dem Blatt nicht in schlecht ausgebauten Leitungsnetzen sondern bei dem Internet-Filtersystem, das die Regierung aufgebaut hat, um Pornographie, Gewalt aber vor allem auch politisch Unerwünschtes aus dem Netz fern zu halten.

Filter am Übergabepunkt

Mehr in der Netzeitung:
In China, wo bereits dutzende Personen wegen «regierungsfeindlicher Umtriebe» auf Web-Seiten verhaftet worden sind, wird der gesamte Datenverkehr über zentrale Proxy-Rechner gelenkt. Insgesamt acht Übergangspunkte sind mit speziellen Filtern ausgestattet. Diese ließen den Netzverkehr nach außen aber nur beschränkt durch, so die «South China Morning Post».

Besonders problematisch ist demnach derzeit die Außenanbindung in die Vereinigten Staaten. Manche Sites seien nur nachts zuverlässig zu erreichen. Aber auch chinesische Server werden gefiltert, und dass obwohl die Regierung sich bemüht hatte, ihre «große Firewall» gegen «Schmutz und Schund» mit Hilfe ausländischer Experten auf technisch innovativstem Wege aufzurüsten.

Riesige Datenmengen

Mehr im Internet:
Die chinesische Internet-Nutzerschaft ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen, derzeit surfen bereits über 45 Millionen Menschen im Netz. Die von ihnen generierte Datenmenge dürfte die größte sein, die jemals durch ein Filtersystem zu laufen hatte. Ein Projekt der amerikanischen Harvard-Universität testet die Filter regelmäßig: Über ein Web-Formular kann jeder Nutzer ausprobieren, ob bestimmte Homepages in Chinas gesperrt wurden.

Zwischenzeitlich waren gar die Suchmaschine Google und der Weblog-Anbieter Blogger gesperrt. Verwirrenderweise machten die chinesischen Behörden außerdem für einige Zeit die Open-Source-Homepage Sourceforge.net unzugänglich. Dabei macht diese mit ihren freien Projekten Microsoft Konkurrenz, was der chinesischen Regierung bisher sehr angenehm war. Denn die Partei ist bemüht, von dem US-Software-Konzern weniger abhängig zu werden.

 
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