03. Mrz 2003 10:25
In jüngster Zeit gibt es Kritik an Google. Unabhängige Bürgerrechtler haben die Suchmaschine zum «Big Brother Award» vorgeschlagen. Grund ist die Datenschutzpolitik.
Kaum ein Google-Nutzer weiß, welche Datenschutz-Bestimmungen der Marktführer aller Suchmaschinen einhält. Gerade bei einer Suchmaschine sollten diese besonders streng sein, lassen sich doch anhand der Daten genaue Profile erstellen, wie die Besucher das World Wide Web nutzen. Nach Meinung der unabhängigen US-Bürgerrechtsgruppe Public Information Research (PRI) wird die Privatsphäre bei Google aber nur mangelhaft geschützt. Die Bürgerrechtler haben sie daher für den so genannten «Big Brother Award» vorgeschlagen.
Der Big Brother Award ist ein weltweit vergebener Anti-Preis, der für besonders scharfe Verstöße gegen den Privatsphäre verliehen wird.
In insgesamt neun Punkten fasst PRI zusammen, warum Google eine «Zeitbombe für den Datenschutz» ist.
Als besonders kritisch werden dabei die Cookies bewertet, die Google auf den Rechnern seiner Nutzer setzt: Diese kleinen Datein dienen der Wiedererkennung eines Computers und enthalten eine Identifikationsnummer. Da ein Google-Cookie erst im Jahre 2038 seine Gültigkeit verliert, könnte man so problemlos die gesamte Suchhistorie eines einzelnen Nutzers nachverfolgen - über Jahrzehnte.Die Cookie-Datei von Google lässt sich zwar löschen oder blockieren. Doch die wenigstens Nutzer nutzen solche Techniken. Zudem verliert man seine möglicherweise gespeicherten Sucheinstellungen, wenn man den Datenkrümel entsorgt.
In Verbindung mit Googles allgemeiner Datenschutzpolitik, der laut Angaben von PRI jegliche Löschklausel fehlt, sei dies ein «Desaster für die Privatsphäre». Weitere Kritikpunkte: Der Google-Toolbar, ein herunterladbares Suchprogramm für den Internet Explorer, melde jede besuchte Website an die Firma weiter und aktualisiere sich selbständig, ohne den Nutzern zu fragen.
Probleme sieht PRI auch bei Googles Zwischenspeicher («Cache»), der Kopien von Web-Seiten als Archiv zugänglich macht. Dies geschehe ohne Einverständnis der Betreiber und führe dazu, dass bereits gelöschte Daten weltweit verfügbar blieben.
Die Nominierung zum amerikanischen «Big Brother Award» endete am 1. März. Wie Googles «Gewinnchancen» stehen, ist noch unbekannt.