28.02.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Amazon und Google haben von den US-Behörden zentrale neue Patente zugesprochen bekommen. Damit wollen beide ihre Marktführerschaft schützen.
In dieser Woche konnten sich gleich zwei wichtige Online-Firmen freuen: Das amerikanische Patent- und Markenamt sprach sowohl Google als auch Amazon neue Patente zu, die den Firmen zum Ausbau ihrer Marktposition nützen können.
Nur Google darf Anfragen gewichtenFür Google ist es bereits das dritte zentrale Patent. Es deckt eine weitere Verbesserung des so genannten Pagerank-Systems ab: Nach einer Benutzeranfrage gewichtet das System die Suchergebnisse nach der Anzahl von Links, die auf eine Seite gelegt wurden.
Allerdings ist dies genau der Punkt, an dem Google eine Schwäche hat: Dokumente, die von sich aus schon über eine starke Verlinkung verfügen, aber nicht unbedingt relevant sind, können sich so «nach vorne mogeln», wie Beobachter immer wieder kritisierten. Der Trick nennt sich «Google Bombing» und funktioniert bereits seit einigen Jahren.
Nur Amazon-Kunden dürfen diskutierenDas Amazon-Patent betrifft ein Internet-Diskussionssystem, das «Kunden eines Online-Shops die Debatte über Produkte erlaubt». Das Patent ist breit angelegt; erste Analysen durch Rechtsexperten besagen, dass es dazu eingesetzt werden könnte, Diskussionsforen auf anderen Shopping-Sites abzumahnen.
Die Technik selbst ist auf Amazon.com noch nicht im Einsatz, soll aber möglicherweise demnächst Bestandteil des Angebotes werden. Allerdings wurde das Diskussions-Patent erst 1999 beantragt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eventuell verklagte Konkurrenten auf die so genannte «Prior Art» plädieren könnten - damit werden Patente unwirksam, wenn eine Technik vor dem Zeitpunkt des Antrags bereits anderweitig eingesetzt wurde.
Patent-StreitigkeitenSowohl Google als auch Amazon haben bereits Erfahrungen mit Patent-Streitigkeiten: Google wurde vom Konkurrenten Overture wegen des Einsatzes einer Werbelink-Technik verklagt, auf die Overture ein Patent hält, während Amazon den Konkurrenten Barnesandnoble.com vor Gericht brachte, weil dieser sein «1-Click-Shopping»-System einsetzte, mit dem der Einkauf mit nur einem Mausklick möglich ist. Insbesondere dieses letzte Patent war in Internet-Szenekreisen äußerst umstritten, weil es ähnlich wie das Diskussions-Patent eine Basistechnik des Web abdeckt.
Amazon-Chef Jeff Bezos versprach damals, sich für eine gerechtere Patent-Rechtsprechung einzusetzen. Das neue Patent dürfte seiner Glaubwürdigkeit schaden.