Bahn mahnt Web-Kunstprojekt ab
27.02.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Netzeitung: Herr Freude, warum hat die Bahn Sie konkret abgemahnt?
Alvar Freude: Die Deutsche Bahn AG ist der Ansicht, dass wir bei unserem Online-Projekt Assoziations-Blaster einen Link auf eine Webseite gesetzt hätten, auf der ein Leitfaden steht, wie man Bahn-Anlagen so manipulieren kann, dass der Bahnverkehr gestört wird.
Nur haben wir diesen Link nicht gesetzt. Der Bahn-Mitarbeiter hat die entsprechende Adresse selbst in den Web-Blaster eingegeben, der eine Verknüpfung fremder Webseiten mit dem Assoziations-Blaster erlaubt. Auf der so manipulierten Seite erscheint dann ein Link zur angegebenen Originalseite mit dem Hinweis «Abschalten».
Netzeitung: Wie haben Sie auf die Abmahnung reagiert?
Netzeitung: Versteht die Bahn die Web-Technik nicht?
Freude: Das dortige Wissen dürfte sich nur minimal vom Durchschnittswissen in anderen Firmen unterscheiden. (grinst) In diesem Fall dürfte vor allem schlampig gearbeitet worden sein. Die Beschreibungen beim Web-Blaster sind eindeutig, und mit ein bisschen Ausprobieren wird der Zusammenhang schnell klar. Die zuständigen Mitarbeiter von der Bahn sind aber anscheinend von den bösen Inhalten so geblendet, dass der Verstand nur noch eingeschränkt funktioniert. Aber auch das ist nichts besonderes, ähnliches kennen wir ja von Düsseldorfs Regierungspräsident Jürgen Büssow. [Hat in NRW ein umstrittenes Web-Zensur-Projekt gestartet, Anm. d. Red.]
Netzeitung: Gab es bereits Reaktionen auf Ihre Entgegnung?
Freude: Nein, trotz der Bitte um umgehende Klärung und Antwort haben wir bisher noch nichts von der Bahn gehört.
Netzeitung: Hat die Abmahnung Ihrer Meinung nach mit Ihren Anti-Web-Zensur-Aktivitäten zu tun?
Freude: Das ist schwer zu sagen. Mir ist es bisher ein Rätsel, wie die Bahn auf die Idee kam, die Adresse des Leitfadens in den Web-Blaster einzugeben und uns dafür die Schuld zu geben. Es ist möglich, dass uns jemand angeschwärzt hat - dies muss aber schon länger her sein, da Zugriffe der Bahn auf die entsprechenden Seiten bereits im vergangenen Juli erfolgten.
Die Fragen stellte Ben Schwan.

