24. Feb 2003 10:08
Eine Woche nach dem Aufkauf des Weblog-Anbieters Blogger durch Google dringen noch immer keine Details nach außen. Die Szene spekuliert.
Das Weblog von Evan Williams ist down. «Und gerade jetzt, wo es interessant wird», schreibt der viel gelesene US-IT-Newsdienst «Wired News» und drückt in einem weitläufig spekulierenden Wochenend-Artikel sein Missfallen darüber aus, dass der Chef von Pyra Labs nun offenbar stumm geworden ist. Dabei hatte der Gründer hinter dem Weblog-Dienst Blogger, den Google vor einer Woche übernommen hat, sein Netztagebuch doch getreulich für die letzten vier Jahre geführt.Nun schreibt Williams, er müsse «umbauen für ein anderes Leben», daher sei das Weblog offline, «um meinen Kopf frei zu bekommen». Zuletzt hatte Williams den Blogger-Fans noch wortreich zu erklären versucht, warum er zum Geschäft mit Google und den möglichen Folgen fast nichts sagen kann: «Wir wollen nicht mysteriös erscheinen, wir hatten nur bislang noch keine Zeit, alle Dinge zusammenzutragen.»
Viele Netzexperten, die sich mit dem Google-Blogger-Deal beschäftigt haben, gehen davon aus, dass die große Suchmaschine vor allem an den so genannten Metadaten interessiert waren, die die rund 200 000 aktiven Netztagebuchschreiber auf Blogger.com generieren. Damit sind all jene Informationen gemeint, die die Verknüpfungen der Szene untereinander, die Art der Weblog-Einträge und vor allem die vielen Hyperlinks betreffen, die integraler Bestandteil des «Blogging» sind.Googles Suchindex basiert massiv auf Netzverknüpfungen: Die «Pagerank» genannte Technik gewichtet jene Dokumente in den Ergebnislisten höher, auf die von anderen Seiten vielfältig verlinkt wurde. Daher waren Weblogs auch bisher schon gut auf Google indiziert - so gut, dass reguläre Medien mit ihren Geschichten oft schon das Nachsehen gegenüber Weblog-Einträgen hatten.
Dieses so genannte «Google Bombing», mit dem man mit Hilfe mehrerer zu Ringen zusammengeschlossener Netztagebücher fast jeden Suchbegriff hoch ins Google-Ranking bekam, hat die Suchmaschine noch immer nicht im Griff. Wenn sie dank Blogger die Weblogs nun besser kennenlernt, meinen Beobachter nun, könne das eigentlich nur hilfreich sein.Williams beruhigte derweil in einem seiner letzten Einträge in sein Weblog die Szene, die nun fürchtet, Blogger-Weblogs würden bei Google von nun an mit mehr Priorität in den Suchindex aufgenommen, als Netztagebücher, die mit Konkurrenztechnologie wie «Movable Type» oder «Radio» laufen. Man habe zwar noch nicht offiziell darüber geredet, «ich denke aber, dass das nicht so sein wird.»