17. Feb 2003 10:28
Die wichtigste Suchmaschine hat den Netztagebuch-Pionier Pyra Labs übernommen. Die Szene diskutiert aufgeregt.
Dan Gillmor, Computer-Kolumnist der Silicon-Valley-Zeitung «San Jose Mercury News», berichtete als erster über die Übernahme - und vermerkte gleich in seinem Weblog «E-Journal»: «Blogging wird groß.» Finanzielle Details zu dem Geschäft, das aus dem Pyra-Labs-Gründer Evan Williams mitsamt seinen fünf Angestellten neue Mitarbeiter von Google macht, wurden nicht bekannt. Auch gibt es keine konkreten Aussagen darüber, was Google mit «Blogger» nun vor hat.Gillmor verglich den Deal mit Googles Übernahme von Deja.com vor zwei Jahren. Damals hatte das Unternehmen seine Suchdatenbank um ein großes Archiv mit Artikeln aus den Nachrichtengruppen des Usenet ergänzt. Doch Inhalte kauft Google mit Pyra Labs nicht: Die Urheberrechte für die mit «Blogger» geführten Netztagebücher liegen nach wie vor bei den Nutzern. So geht es Google wohl vor allem um die Technologie der Firma und die gute Reputation, die sie in Weblog-Kreisen genießt.
Dave Winer, Weblog-Pionier und Gründer der Weblog-Softwarefirma Userland, wertete den Aufkauf als «sehr interessant»: «Nun ist Google plötzlich an der Produktion von Inhalten beteiligt», schrieb er in sein Weblog. Winer kann von dem Aufkauf nur profitieren. Derzeit hat er mit dem Chef der Online-Abteilung der «New York Times» eine Wette laufen, wonach Suchergebnisse aus Weblogs bei Google sehr bald höher gewichtet werden, als Suchergebnisse aus Mainstream-Publikationen.Pyra-Gründer Williams schätzt, dass nun Weblogs künftig noch schneller oder gar «in Echtzeit» durchsucht werden. Andere Blogger mutmaßen, dass Google die Weblogs für die Verbesserung seines «Google News»-Dienstes verwenden könnte: Bei diesem wird mit Hilfe eines technischen Filters nach aktuellen Nachrichten gesucht. Das könnten auch Blogger übernehmen.