12. Feb 2003 11:43
Das Online-Rollenspiel «Everquest» nimmt seine Spieler so in Anspruch, dass darüber Beziehungen zerbrechen. In Selbsthilfegruppen leisten sich Angehörige Beistand.
«Bars schließen wenigstens irgendwann, aber das digitale Fantasie-Universum hat 24 Stunden am Tag geöffnet», beklagt sich Joy Barnes, die unlängst von ihrem Mann geschieden wurde, der seine virtuellen Abenteuer in der «Everquest»-Welt seiner Ehe vorzog. Gegen das Spiel an sich habe sie gar nichts gehabt, sie hätte es oft selbst gespielt, um wenigstens eine Gemeinsamkeit mit ihrem Mann zu haben. Obwohl das Spiel durchaus dazu verleite, es endlos zu spielen, da dabei sehr komplexe soziale Bindungen geknüpft und lange Chatgespräche geführt würden, habe sie irgendwann genug gehabt.
Der Psychologe Richard Sherman bestätigte, dass Online-Spiele Ehekonflikte auslösen können. «Es gibt Menschen, die derartig auf solche Spiele anspringen, dass diese eine Liebesbeziehung durchaus zeitweise ersetzen könne», sagte er dem Online-Magazin «Techtv». Das hätten schon mehrere Partner von Spielsüchtigen zu spüren bekommen und sich in Selbsthilfegruppen wie «Spouses Against EverQuest» oder «Everquest Widow(er)s» zusammengefunden. Ein Mitglied der Online-Witwer, Steve Chow, sagte, mit den Online-Spielen sei es wie mit «dem Rauchen: Man weiß, man sollte aufhören, und dass es vielleicht nicht so gut ist, Stunden bevor man zur Arbeit muss, aufzustehen, um zu spielen, aber man kann nicht anders». Er selbst bezeichnet sich als geheilt und zockt nur noch ab und zu offline auf der Playstation.