netzeitung.deTelefonzellen-Recycling per WLAN

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Das drahtlose Internet braucht zur Flächendeckung eine große Anzahl an Basisstationen. In Kanada will ein Telekomanbieter alte Münzfernsprecher für die Technik nutzen.

Wer heute kein Handy besitzt, gehört inzwischen zu einer Minderheit: Mobiltelefone haben einen unglaublichen Siegeszug hinter sich. Kein Wunder also, dass die klassische Telefonzelle langsam ausgedient hat. Die Umsätze an den Münzfernsprechern gehen stark zurück, während der Aufwand für Pflege und Instandhaltung gleich bleibt.
Strom und Netzanbindung vorhanden
Bei Bell Canada, dem kanadischen Äquivalent zur Deutschen Telekom, sucht man momentan nach einer Lösung, die traditionsreiche Telefonzellen-Kultur dennoch zu erhalten. Einerseits, um Menschen ohne Handy das mobile Fernsprechen weiterhin zu ermöglichen und andererseits, um neue, an der Zukunft orientierte Anwendungen für die zahlreichen Örtlichkeiten zu finden, wo die Münzautomaten schon stehen.

Das Resultat ist eine spannende technische Kombination: Drahtloses High-Speed-Internet (WLAN) trifft Telefonzelle.

Von der praktischen Warte her ist der ungewöhnliche Zusammengang nur logisch: Hängen Telefonzellen doch längst am Netz und können per DSL oder Festverbindung ins Internet eingebunden werden. Daran wird die entsprechende WLAN-Basisstation angeschlossen - der dazu benötigte Strom ist ebenfalls vorhanden. Bell Canada hat auf diese Weise laut einem Bericht des US-Magazins «Fortune» schon drei Pilot-Standorte vom Telefonzellen- zum WLAN-Betrieb umgerüstet: In Kingston, Montreal und Toronto.

Kein Requiem für den Münzfernsprecher
Bis Ende März 2003 kann die Technik kostenlos genutzt werden. Erkennbar sind die «Accesszone» genannten Basisstationen an einem speziellen Logo oder einer «Hotspot»-Kiste, die die gesamte notwendige Hardware enthält. Ein «Requiem für den Münzfernsprecher», das die «Washington Post» neulich ausrief, könnte so verhindert werden. Die Telefonhäuschen stehen an für WLAN gut geeigneten Orten: Besonders stark verbreitet sind die Telefonzellen und kleineren Handapparate in großen Städten und an öffentlichen Plätzen mit hohem Fußgängerdurchsatz.

Bei Cometa Networks, dem bislang größten Versuch einer flächendeckenden WLAN-Vernetzung, der derzeit in den USA abläuft, überlegt man ebenfalls, Telefonzellen einzusetzen. Die seien eine «hervorragende Lösung», meinte Cometa-Chef Larry Brilliant gegenüber der Netzeitung.

In Deutschland versucht momentan T-Mobile, Handy-Tochter der Deutschen Telekom, WLAN auszubauen. Auf die Idee, Münzfernsprecher für die Technik zu nutzen, ist sie allerdings noch nicht gekommen. Bislang will man vor allem Geschäftskunden in Hotels, Flughäfen und Kongresszentren ansprechen.

Der WLAN-Trend hat längst den Mainstream erreicht: Immer mehr ganz normale Laptop-Nutzer kaufen sich die kaum mehr 100 Euro teuren, für die Nutzung der Technologie notwendigen Einsteckkarten.

Bei Telekombetreibern ist WLAN vor allem deshalb so beliebt, weil der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur sehr günstig ist. Handy-Netze sind viel teurer.


Für das Web ediert von Ben Schwan