netzeitung.deBerliner Hacker-Tagung gut besucht

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Beim 19. Chaos Communication Congress trafen sich bis Sonntag fast 3000 IT-Spezialisten in der Hauptstadt. Wer kam, nahm hautnahe Lektionen in Netzsicherheit mit.

So wurde das Kongress-interne WLAN laut den Veranstaltern «wie verrückt gespooft» - was nichts anderes heißt, als dass hier die Teilnehmer mit inzwischen zahlreich verfügbaren Software-Werkzeugen versuchten, Internet-Verbindungen anderer Nutzer zu «entführen». Um beispielsweise an Passwörter zu gelangen - das gehörte auch beim 19. Chaos Communication Congress zum üblichen Volkssport. Wer sich an den drei Tagen der Veranstaltung im «Haus am Köllnischen Park» unverschlüsselt irgendwo einloggte, wurde mit dem Posting seiner Zugangsdaten auf einem Videobeamer bestraft. Wie ein sicheres Internet tatsächlich aussieht, konnte man auf diversen Vorträgen lernen. 3000 Besucher hatte der Kongress diesmal - schon am ersten Tag bildeten sich Schlangen vor dem Eingang. Nachwuchssorgen braucht sich der ausrichtende Chaos Computer Club (CCC) kaum zu machen: Das Publikum war oft jung.
Hacker werden Aktivisten
Politischer wird die Hackerbewegung nicht erst seit den Anschlägen des 11. September: Das Thema «Urban Hacktivism» fand viele interessierte Zuhörer, genauso die Vorträge zum Thema Videoüberwachung, Lauschen im Netz oder zu den «Big Brother Awards». Man sei zwar keine politische Partei, wolle aber Flagge zeigen, hieß es. Kein Wunder also, dass der Chaos Computer Club 2002 gegen Netzzensur auf die Straße ging - zum ersten Mal in seiner über 20jährigen Geschichte, dass sich die Geeks von den Rechnern erhoben. Doch am Keyboard sind sie immer noch am besten, wie die typischerweise während der Veranstaltung zu meldenden kleineren Hacks bewiesen.
Kollateralschäden im Netz
Derlei «Nebeneffekte» der Tagung trafen so unter anderem ein Web-Diskussionsforum der Polizei Niedersachsen. Dort enterten Chaos-Congress-inspirierte Cracker das Board mit dem Thema «Cybercrime». Ebenfalls geknackt und verändert («defaced») wurde die Website der CDU Hessen sowie die der Büchereizentrale Flensburg, auch wenn sich die offiziellen Kongress-Web-Seiten ausdrücklich von letzterem «Hack» distanzierten. Die Bandbreite von 34 Megabit, die den Besuchern per Funkstrecke zur Verfügung stand, wurde fast bis zum Anschlag ausgenutzt - unter anderem zum Dateitausch. Wer zu 8 Euro pro Nacht in der vom Chaos Club wie üblich angemieteten Turnhalle unterkommen wollte, musste sich früh darum bemühen: Bis zum Mittag von Tag 1 war sie ausgebucht. Wer nicht hineinpasste, übernachtete im «Hackcenter».
Ununterbrochen im Datenrausch
Neu in diesem Jahr war die Reisemöglichkeit per «Hacktrain»: Der von privaten Organisatoren und einer Kleinbahn angebotene Mini-Zug verkehrte von Mainz über Nordrhein-Westfalen und Hannover am Donnerstag nach Berlin und am Montag wieder zurück - intern vernetzt und mit Stromanschlüssen für Laptops ausgestattet, versteht sich. So konnten westdeutsche CCC-Fans quasi ohne Unterbrechung im Datenrausch schwelgen. Dass sie sich dabei am besten auch einmal ein paar Vitamine gönnen sollten, hatten ihnen am ersten Kongresstag zwei ältere Hacker bescheinigt: Im gut besuchten Vortrag «Blindspots in der Hackerpsyche» ging es um so einfache Dinge wie genügend Schlaf und ordentliche Ernährung, die bei den Geeks noch immer ein größeres Problem darzustellen scheinen. Erfreulich: Der Frauenanteil beim diesjährigen Kongress stieg erneut. Die «Haecksen» werden immer zahlreicher.

Für das Web ediert von Ben Schwan