Berlin: Hacker-Tagung «out of order»
27.12.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie immer zwischen Weihnachten und Sylvester treffen sich in der Hauptstadt derzeit die Computerspezialisten, um über Entwicklungen und Technologie zu debattieren. Der Chaos Communication Congress geht ins 19. Jahr.
Kaiserwetter für die Hacker: Bei der morgendlichen Anreise zum 19. Chaos Communication Congress am südöstlichen Ende des Berliner Stadtteils Mitte zeigte sich die Hauptstadt von ihrer besten Seite. Dass die traditionsreiche Veranstaltung - sie dauert noch bis Sonntag - nach wie vor äußerst beliebt ist, war schon an der langen Schlange festzustellen, die sich kurz vor dem Eröffnungsvortrag gegen 10 Uhr gebildet hatte. Der Veranstaltungsort, das so genannte Haus am Köllnischen Park, dürfte in den drei Tagen bis zu 2500 Besucher sehen. Die meisten sind erstaunlich jung - Nachwuchssorgen muss der austragende Chaos Computer Club (CCC) also nicht haben. In Vorträgen, Workshops und vor allem im «Hackcenter» können die Computerfreaks ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Und - wenn sie wollen, auch ein bisschen politisch werden. Eine entsprechende Reputation hat der CCC.
Blindspots in der HackerpsycheDas Motto der diesjährigen Veranstaltung - «Out of Order» - passt gut zur momentanen Stimmungslage im Technologiesegment. Niemand weiß so recht, wie es wirtschaftlich weitergeht, die Überwachungsmaßnahmen feiern seit dem 11. September insbesondere in den Datennetzen fröhliche Urstände. Kein Wunder, dass das Logo des Chaos-Kongresses ein beschädigtes Pentagon zeigt. Neben rein technischen Informationen werden sich die Tagungsvorträge daher einmal mehr um die politischen Auswirkungen der heutigen Situation drehen. «Security Nightmares», Alpträume für die Sicherheit, sehen die Hacker überall. Philosophieren wird man vor allem über sich selbst: «Blindspots in der Hackerpsyche» heißt so zum Beispiel ein Vortrag heute. Nerds, die man dann gleich darauf analysieren kann, gibt es genug.
Per Schienenbus zum KongressWer auf besonders passende Art zum Chaos-Kongress anreisen wollte, nahm von Westdeutschland aus den «Hacktrain». Der fuhr, eigens gechartert und mit Netzwerk ausgestattet, am Donnerstag von Mainz über Hannover nach Berlin-Alexanderplatz. Und von Augsburg gab es einen eigenen «Hackbus», der knapp 80 Hacker in die Hauptstadt beförderte. Übernachten kann man dann am besten stilecht in einer von den Machern gemieteten Turnhalle: Mit 8 Euro pro Nacht und Hacker sehr günstig. Teurer geworden ist dagegen der Eintritt: Die Dauerkarte kostet 40, das Tagesticket 20 Euro. Laut CCC-Sprecher Tim Pritlove sei es in den letzten Jahren vermehrt zu Beschädigungen gekommen - die müsse man mit solchen Preisen auffangen. Das genaue Programm des Kongresses ist über die Homepage der Veranstaltung abrufbar.