Google darf nie böse sein
19.12.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Alle lieben Google, alle nutzen Google, die Firma schreibt nach eigenen Angaben schwarze Zahlen. Und ist da dann nicht auch alles wirklich gut? Vereinzelte Kritiker, bemängeln dass der Anbieter inzwischen zu viel Macht im Netz angehäuft hätte. Doch solche Stimmen kratzen kaum am positiven Image. Und die Firma tut auch etwas dafür, damit das so bleibt: Durch eine so grundsätzliche wie starrköpfige Bravheitspolitik.
Das ist ganz anders wie früher, zirka 1998, als Google noch klein und aus einem Universitätsprojekt zweier cleverer Doktoranten hervorgegangen war. Komischerweise konnte Google bislang den Anschein einer Firma, deren Geschäftszweck ja normalerweise die Gewinnmaximierung ist, fast vollständig vermeiden. Dabei ist man intern tatsächlich darauf bedacht, seine Position zu bewahren. So gehört ein Stillschweigeabkommen, das berüchtigte NDA («Non Disclosure Agreement», bei Gesprächen mit dem Unternehmen laut «Wired» zum Standardwerk, das es zu unterzeichnen gilt.
Solche Dinge kommen inzwischen Tag für Tag vor - und Google weiß, wie sensibel die Nutzerschaft darauf reagiert, sollte man «zensieren». Mitgründer Larry Page, der für Forschung und Entwicklung zuständig ist, würde so etwas natürlich gerne technisch lösen - doch wie? Statt dessen versucht man, sich gesetzeskonform zu verhalten - und zieht damit immer mehr Kritik auf sich. Es scheint, als würde das Leben für Google mit dem Erfolg härter werden.
Bislang hat Google eine sehr weiße Weste. Ob sich Stimmen aus dem Web, die Suchmaschine aufgrund ihrer Marktposition wie einen Stromkonzern zu regulieren, jemals durchsetzen könnten? «Pagerank», die Technologie hinter dem Index, zeigt bereits erste Risse. Sie ist nach wie vor anfällig für viel verlinkte Websites, deren inhaltliche Bedeutung für die Suchanfrage dann noch nicht einmal wirklich passen muss. Einer Sache kann sich Google jedoch sicher sein: Der Beobachtung jedes einzelnen Schrittes, den der Suchdienst auf seinem Weg macht.
Für das Web ediert von Ben Schwan

