netzeitung.deGoogle darf nie böse sein

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Google - Wegen seiner Schlichtheit und Verlässlichkeit beliebt. google.com (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Google - Wegen seiner Schlichtheit und Verlässlichkeit beliebt. google.com
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die beliebteste Suchmaschine hat eine große Macht über das Web - und damit viel Verantwortung. Man wolle daher immer moralisch bleiben, versichern die Gründer Sergey Brin und Larry Page.

Viele Google-User suchen tagtäglich nach allem Möglichen und Unmöglichen. Sie freuen sich darüber, dass Google so gut wie nie ausfällt. Und sie beobachten jede technische Neuerung, die in das Google-Angebot übernommen wird, mit großem Wohlwollen. Würde der US-Suchmaschinen-Gigant jemals Geld darauf verwenden, eine Image-Kampagne für sich selbst zu schalten, könnte die Außenwirkung kaum besser werden, als sie derzeit schon ist.

Alle lieben Google, alle nutzen Google, die Firma schreibt nach eigenen Angaben schwarze Zahlen. Und ist da dann nicht auch alles wirklich gut? Vereinzelte Kritiker, bemängeln dass der Anbieter inzwischen zu viel Macht im Netz angehäuft hätte. Doch solche Stimmen kratzen kaum am positiven Image. Und die Firma tut auch etwas dafür, damit das so bleibt: Durch eine so grundsätzliche wie starrköpfige Bravheitspolitik.

Keinesfalls wie Darth Vader
Das Mantra dahinter, so «Wired», lässt sich auf einen einfachen Punkt bringen: «Sei nicht böse. So wie bei Star Wars.» Mitgründer Sergey Brin, 29, ist dabei so etwas wie der moralische Kompass der Suchmaschine: Er weiß, dass seine Entscheidungen inzwischen weitreichende Konsequenzen haben.

Das ist ganz anders wie früher, zirka 1998, als Google noch klein und aus einem Universitätsprojekt zweier cleverer Doktoranten hervorgegangen war. Komischerweise konnte Google bislang den Anschein einer Firma, deren Geschäftszweck ja normalerweise die Gewinnmaximierung ist, fast vollständig vermeiden. Dabei ist man intern tatsächlich darauf bedacht, seine Position zu bewahren. So gehört ein Stillschweigeabkommen, das berüchtigte NDA («Non Disclosure Agreement», bei Gesprächen mit dem Unternehmen laut «Wired» zum Standardwerk, das es zu unterzeichnen gilt.

Ein Image aus dem Bilderbuch
Neben dem Problem, nicht plötzlich das Image eines echten Konzerns zu bekommen - unvorstellbar etwa, dass die Firma unangemeldet die Preise für ihre beliebten Textanzeigen erhöhen würde - erlebt Google vor allem Druck von außen. Da bittet Scientology, ihr gegenüber kritische Seiten aufgrund von «Copyright-Übertretung» aus dem Index zu nehmen. Oder ein bekannter Schauspieler fordert die Löschung eines Eintrages, weil er sich beleidigt fühlt.

Solche Dinge kommen inzwischen Tag für Tag vor - und Google weiß, wie sensibel die Nutzerschaft darauf reagiert, sollte man «zensieren». Mitgründer Larry Page, der für Forschung und Entwicklung zuständig ist, würde so etwas natürlich gerne technisch lösen - doch wie? Statt dessen versucht man, sich gesetzeskonform zu verhalten - und zieht damit immer mehr Kritik auf sich. Es scheint, als würde das Leben für Google mit dem Erfolg härter werden.

Der lange erwartete Börsengang
Im wirtschaftlichen Sinne übrigens auch - wenn auch mit positivem Beigeschmack. Der lange erwartete Börsengang des Unternehmens könnte für 2003 anstehen. Dann, ganz plötzlich, wären die Kunden Googles nicht nur die User, sondern auch die Aktionäre. Ob das dann negative Auswirkungen auf die Nutzererfahrung haben könnte, wie «Wired» spekuliert, kann man noch nicht sagen.

Bislang hat Google eine sehr weiße Weste. Ob sich Stimmen aus dem Web, die Suchmaschine aufgrund ihrer Marktposition wie einen Stromkonzern zu regulieren, jemals durchsetzen könnten? «Pagerank», die Technologie hinter dem Index, zeigt bereits erste Risse. Sie ist nach wie vor anfällig für viel verlinkte Websites, deren inhaltliche Bedeutung für die Suchanfrage dann noch nicht einmal wirklich passen muss. Einer Sache kann sich Google jedoch sicher sein: Der Beobachtung jedes einzelnen Schrittes, den der Suchdienst auf seinem Weg macht.


Für das Web ediert von Ben Schwan