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Freie Software laut Microsoft immer beliebter

08. Nov 2002 16:02
Eine interne Microsoft-Studie stellt fest, dass eine große Mehrheit der Administratoren und Programmierer freie Software für eine gute Alternative zu Microsoft-Produkten halten.

Ein neues internes Microsoft-Memo über die Akzeptanz von Open-Source-Software sorgt für Genugtuung bei der Open-Source-Community. Das Dokument wurde im September 2002 auf einer internen Microsoft-Sitzung in Berlin vorgetragen und fiel diese Woche dem langjährigen Open Software-Aktivisten Eric Raymond in die Hände, der es auf der Website der «Open Source Initiative» veröffentlichte.

Dabei handelt es sich um die Auswertung einer Telefonbefragung von Administratoren, Software-Entwicklern und Entscheidern aus dem IT-Bereich in den USA, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Schweden und Japan. Dabei fragten die Microsoft-Mitarbeiter nach der Einstellung zu Open-Source-Software.

Billiger und sicherer

Mehr im Internet:
Es ist das vierte interne Microsoft Memo seit 1998, das die «Open Source Initiative» zugespielt bekommen hat. Eric Raymond wollte seine Quelle nicht preisgeben, hält sie aber für absolut zuverlässig, meldet der Branchendienst «InfoWorld». Ein Microsoft-Sprecher lehnte einen Kommentar ab und begründete dies mit Microsofts Grundsatz, sich nicht zu Gerüchten und inoffiziellen Erklärung zu äußern.

Open-Source-Software wie Linux erfreut sich nach der Microsoft-Studie wachsender Beliebtheit. So haben 78 Prozent der Befragten einen positiven Eindruck von Open-Source-Software. 40 Prozent gaben an, der Hauptgrund freie Software zu unterstützen, wären die niedrigeren Gesamtbetriebskosten. Ein Drittel der Befragten meinte, Open-Source-Software sei deshalb unterstützenswert, weil es eine Alternative zu Microsoft wäre. Sicherheitsfragen wurden vor allem von Administratoren als wichtiger Grund für den Einsatz freier Software gesehen – angesichts laufend neuer Meldungen über Sicherheitslücken bei Microsoft-Produkten nicht verwunderlich.

Anerkennung vom Feind

Die Open-Source-Gemeinschaft freut sich natürlich über die indirekte Anerkennung durch ihren Lieblingsfeind. Eric Raymond schreibt in seinem Kommentar zur Studie: «Der Ton des Memos ist sehr defensiv. Nicht panisch, aber die Marktforscher sind nicht in der Lage, einen einzigen Fall zu nennen, bei dem Microsoft ihren eigenen Zahlen nach besser dasteht.»

Mehr in der Netzeitung:
Gerade im Serverbereich steigen viele Unternehmen auf freie Software um. Der Bundestag stellte im März diesen Jahres alle seine Server auf Linux um. Neben Sicherheitsfragen spielte die Überlegung, sich nicht von einem Anbieter abhängig machen zu wollen, eine große Rolle. Bei freier Software sind alle Programmdateien offen zugänglich und können, wenn zum Beispiel eine Sicherheitslücke auftritt, sofort modifiziert werden. Hunderttausende von Entwicklern arbeiten gemeinsam an der Verbesserung der Programme.

Hohe Kosten

Um die wachsende Beliebtheit der freien Programme zu brechen, will Microsoft verstärkte Anstrengungen unternehmen die Kunden zu überzeugen, dass die Gesamtbetriebskosten bei Microsoft-Produkten niedriger seien als bei Open-Source-Programmen. Open-Source-Software sei wenig anwenderfreundlich und treibe die Schulungskosten in die Höhe. Allerdings wird das mit der neuen Lizenzpolitik von Windows XP nicht ganz einfach. Viele Anwender rechnen dabei mit einen erheblichen Anstieg der Kosten.

So ist Raymond auch optimistisch: «Die Zahlen zeigen, dass wir gewinnen. Es sieht so aus, also ob wir einfach nur unseren Kurs weiterverfolgen müssen.»

 
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