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Blogger-Werbung: «Eine
neue Form von Spam»

01. Nov 2002 12:44
Erfinder der
Eine kanadische Firma versucht, Kapital aus Netztagebüchern zu schlagen. Sie will mit gefälschten Links auf Weblogs Werbung treiben. Die Netzeitung sprach mit dem Gründer.

Das Web lebt von Links. Die so genannten «Referrer» machen sie verfolgbar: Hat jemand eine Website verlinkt, sieht der Webmaster diese Verlinkung in seiner Log-Datei, sobald ein Nutzer diese Netzverknüpfung anklickt. Weil es einfach interessant ist, zu sehen, wer einen da verlinkt hat, schauen viele Blogger regelmäßig in diese «Referrer-Logs».
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  • Das wäre doch ein guter Platz für Werbung, meinte die kleine kanadische E-Marketing-Firma Mastodonte - und sorgte kürzlich mit einem Reklame-«Broadcast» an Zehntausende von Weblogs für Aufruhr, die dann plötzlich einen angeblichen Link von Mastodonte («referrer.mastodonte.com» sowie «ad.mastodonte.com») in ihren Log-Dateien vorfanden. Den sollen sie dann klicken: Werbeziel erreicht. Francois Lane, Gründer und einziger fester Angestellter des Unternehmens aus Montreal, kann die Aufregung um die Werbeidee «nicht ganz» verstehen.

    Netzeitung: Herr Lane, gibt es die Werbung per Referrer tatsächlich (als Produkt)?

    Francois Lane: Ja, ich habe es getan - und andere vor mir, wie ich später gelernt habe. Ich denke aber, dass das immer eine Art von «Underground»-Reklame bleiben wird.

    Netzeitung: Wie sind Sie denn bitte auf die Idee gekommen?

    Lane: Werbung mag freie Räume. Ich bemerkte, dass viele Blogger ihre Referrer ständig überprüfen. Einige stellen sie sogar auf ihre Weblog-Homepage. Die Idee kam mir dann, als ich mich aufgrund eines anderen Projektes technisch mit dem Web-Protokoll beschäftigte. Ich sagte mir: Wäre es nicht ein cooles Experiment?

    Netzeitung: Was wollten Sie damit erreichen?

    Lane: Am Anfang hatte ich keinen wirklichen Plan. Ich wollte experimentieren, bevor andere es taten. Derzeit arbeite ich an einer verbesserten Version, die soll dann auch «blogger-freundlich» sein.

    Netzeitung: Wie das?

    Lane: Genau kann ich Ihnen das noch nicht sagen, weil das Ding noch nicht veröffentlicht ist. Sagen wir mal, dass es helfen wird, diese Form von Werbung zu legitimieren und sie akzeptabler zu machen. Vielleicht mögen sie die Blogger dann sogar.

    Netzeitung: Wie funktioniert Ihre Referrer-Werbung denn technisch?

    Lane: Wir haben einen Roboter, der einzeln Kontakt zu jedem Weblog aufnimmt und dabei einen Link auf darauf simuliert.

    Netzeitung: Wie viele Weblogs decken Sie ab?

    Lane: Momentan 56550, ein paar Hundert kommen jeden Tag dazu.

    Netzeitung: Ist es nicht eine Art Betrug an den Bloggern, was Sie da tun?

    Lane: Ja, natürlich verwirrt es die Leute. Wenn man es aber korrekt macht, wird der Blogger es als «falschen Referrer» interpretieren und das macht ihm dann nichts.

    Netzeitung: Haben Sie bereits Werbekunden?

    Lane: Es gibt einige interessierte, aber bislang noch keine echten. Vielleicht verlange ich zu viel Geld. (grinst)

    Netzeitung: Sind Weblogs wirklich schon so interessant für Reklametreibende?

    Lane: Die Methode ist jetzt interessant, weil sie noch sehr gut klappt. Das wird nicht so bleiben, sobald mehr und mehr Leute die gleiche Technik benutzen - und Blogger dann irgendwann anfangen, Werkzeuge zu verwenden, die das System verhindern.

    Netzeitung: Als Sie Ihre Methode kürzlich zum ersten Mal ausprobiert haben, erlebten Sie auf eine Welle der Empörung. Ist das, was Sie da tun, nicht eine neue Form des Spamming?

    Lane: Natürlich ist es das in einem gewissen Sinne. Aber der meiste Ärger kam ja dadurch, dass die Leute nicht erwarteten, in ihren Referrer-Logdateien Werbung zu entdecken. Ich war ziemlich überrascht, wie gefühlsduselig die zum Teil reagiert haben.

    Netzeitung: Werden Werbetreibende Ihre Methode nicht ablehnen, wenn sie doch wissen, dass es eigentlich Spam ist, den sie den Bloggern da vorwerfen?

    Mehr im Internet:
    Lane: Das ist möglich, aber so weit ich weiß, hassen die Leute auch Banner, Pop-Ups und telefonische Direktwerbung - und Firmen benutzen diese Techniken noch immer. Wenn ich das System erst einmal verbessert habe, werden Sie schon sehen.

    Die Fragen stellte Ben Schwan.

     
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