24. Okt 2002 10:32
Die Suchmaschine hat unbemerkt Angebote von Neonazis und Antisemiten aus ihrem deutschen und französischen Index entfernt. In der US-Ausgabe tauchen sie aber nach wie vor auf.
In einem am Donnerstag erscheinenden Bericht, der von den Internet-Zensur-Experten Jonathan Zittrain und Ben Edelman von der Bostoner Harvard-Universität erstellt wurde, werden insgesamt 113 Websites genannt, die auf Google.de und/oder Google.fr nicht mehr gefunden werden. Dabei handelt es sich zumeist um Angebote von Neonazis, Antisemiten und Rassisten, mindestens eine christlich-fundamentalistische Site sei jedoch auch dabei, berichtet der US-IT-Newsdienst «CNET».Zittrain und Edelman hatten sich bereits einen Namen bei der Untersuchung der Internet-Filtermechanismen der chinesischen Regierung gemacht. In dem Land war Google selbst für einen kürzeren Zeitraum gesperrt gewesen. Die Konzentration der Zensurmaßnahmen auf das deutsche und französische Angebot hänge mit lokalen Gesetzen zusammen, so Google.
Ein Sprecher sagte laut «CNET», die «Entlistung» der Angebote innerhalb der Suchmaschine sei auf Betreiben der jeweils ausländischen Regierung erfolgt. Man wolle einer rechtlichen Verfolgung zuvorkommen. Zittrain und Edelman waren der Google-Zensur auf die Schliche gekommen, in dem sie den riesigen Index der Suchmaschine mit Hilfe einer automatischen Testroutine überprüfen liesen. Dabei gibt es deutliche Verzerrungen - ist ein Angebot bei Google.de und/oder Google.fr gesperrt, bleibt es in den meisten Fällen unter der US-Seite online. Zwar ließe sich eine Erkennung der Länderherkunft eines Nutzers theoretisch implementieren - ob diese Google bereits tut, bleibt jedoch unklar. Die deutsche Niederlassung des Auktionsportals Ebay war im Sommer aufgefallen, weil auch sie nach Ländern filterte. Versteigerungen, in denen der Wortbestandteil «Arsch» vorkam, waren so beispielsweise für deutsche User verboten, von Amerikanern aber zu entdecken.
Vorwürfe, dass Google mit einer Zensur begonnen hat, gab es schon länger. Die neue Harvard-Studie belegt diese nun. Dass neben Deutschland, wo es explizite Gesetze etwa gegen Volksverhetzung gibt, auch Google Frankreich betroffen ist, hängt wahrscheinlich mit einem vielbeachteten Prozess gegen den Konkurrenten Yahoo zusammen: Der hatte Neonazi-Andenken auf seiner Versteigerungsplattform auch innerhalb Frankreichs zugelassen. Ein Richter verbot dies.Problematisch an Googles Maßnahmen bleibt, in wie fern die Firma auf Forderungen undemokratischer Staaten eingeht. So könne etwa die chinesische Regierung mit lokalen Gesetzen Druck machen, um kritische Informationen aus Googles Index zu entfernen. Im neuen News-Portal «Google News» wertet die Suchmaschine nicht nach Quellen: Da steht eine Meldung der «New York Times» einträchtig neben der der iranischen Nachrichtenagentur «IRNA».