17.10.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Bekannt wurde er durch das Cracken von E-Books: Dmitri Sklyarow soll am Montag in den USA erneut vor Gericht stehen. Doch ihm fehlt die Einreisegenehmigung.
Seine Festnahme war spektakulär: Im Juli 2001 wurde der Software-Programmierer Dmitri Sklyarow bei einem Hacker-Kongress in Las Vegas vom Podium weg verhaftet. Der russische Staatsbürger musste anschließend insgesamt fünf Monate lang in einem US-Gefängnis verbringen. Der Software-Konzern Adobe hatte ihn aufgrund eines mutmaßlichen Verstoßes gegen den umstrittenen Urheberrechtsparagraphen «Digital Millennium Copyright Act» («DMCA») angezeigt.
Digitale Bücher gecracktDer Vorwurf: Sklyarow sei Autor eines Programmes, mit dessen Hilfe es möglich ist, das E-Book-Format von Adobe zu knacken und die damit vertriebenen elektronischen Bücher weiterzugeben. Vor den Richtern fand Sklyarow nur deshalb Milde und die lange erhoffte Ausreisegenehmigung, weil er versicherte, mit den US-Behörden zusammenzuarbeiten.
Doch die Zusammenarbeit erweist sich nun als schwieriger, als angenommen: Ihm und dem Chef seines Arbeitgebers Elcomsoft, der ebenfalls in dem Verfahren eine wichtige Rolle spielt, wurden nun die notwendigen Visa verweigert.
Visa ohne Begründung abgelehntWie der US-Fachdienst «Planetpdf.com» erstmals berichtete, habe die amerikanische Botschaft in Moskau die notwendigen Einreisegenehmigungen «ohne Angabe von Gründen» abgelehnt. Die Anwälte der beiden müssten nun Protest einlegen, um zwei Zeugen vor ein US-Gericht holen zu können.
Bei der Antragstellung für die Visa habe man jedoch explizit darauf hingewiesen, dass es um die Teilnahme an einem Verfahren ging. Das Problem: Zwei verschiedene Behörden sind für die Angelegenheit zuständig. Die Klage wird vom Justizministerium, die Visa-Regeln jedoch vom Außenministerium bestimmt.
Für Sklyarow könnte es eng werdenDmitri Sklyarow und Elcomsoft-CEO Alex Katalov sollten ab Montag im kalifornischen San Jose erneut vor Gericht stehen - der Fall wird regulär weitergeführt. Die Klage gegen Sklyarow soll, so haben es seine Anwälte mit der US-Regierung vereinbart, nur dann fallengelassen werden, wenn dieser nun über Elcomsoft «auspackt».
Nun steht die Software-Firma, die sich auf den elektronischen Vertrieb von Medien spezialisiert hat, selbst im Mittelpunkt des Interesses. Katalows Rolle als Repräsentant des Unternehmens ist daher äußerst wichtig. Der Fall wird welweit genau beobachtet. Gegen Sklyarows Festnahme war im Internet massiv protestiert worden.