netzeitung.deGoogle: «Wir nutzen alle Quellen»

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Google News Screenshot: nz (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Google News Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit einem News-Portal wildert Google im Refugium der Medien. Die Netzeitung sprach mit den Machern über Computer-Algorithmen und «Nachrichten ohne Ideologie».

Vier Jahre alt wird die Suchmaschine Google in diesen Tagen - und die Vielfalt ihrer Angebote wird immer größer. Jüngstes Beispiel ist «Google News», ein Dienst mit Nachrichtenschlagzeilen, der nach eigenen Angaben «komplett mit Hilfe von Computer-Algorithmen» entsteht. Die Netzeitung befragte Produkt-Managerin Marissa Mayer, wie das konkret funktioniert.

Netzeitung: Frau Mayer, haben Sie mit «Google News» vor, der Presse künftig die Arbeit abzunehmen?

Marissa Mayer: Nein, wir planen nicht, Journalisten überflüssig zu machen. Aber wir nutzen das kollektive Urteilsvermögen von Nachrichtenredakteuren weltweit. Wir sammeln, organisieren und zeigen unsere Schagzeilen in einem leicht verständlichen Format.

Die News-Stories können dabei vom Nutzer ausgewählt werden, bevor er sich um die Quelle kümmert. Dadurch erhält er verschiedene Perspektiven zu jedem Thema.

Netzeitung: Wieso bietet Google überhaupt Nachrichten an?

Mayer: Wir haben Google News etwa ein Jahr lang entwickelt. Das Produkt machte viele verschiedene Formen durch, bevor wir es dann letzte Woche als «Tab» in die Google-Homepage integriert haben.

Google News ist eine natürliche Weiterentwicklung unserer Mission, die Informationen der Welt zu organisieren und sie so universell nutzbar zu machen.

Netzeitung: Können Sie ein wenig von der Magie verraten, die hinter ihrer Technik steckt, die Ihren Angaben nach ganz ohne Menschen auskommt? Was genau entscheidet, welche Nachrichten ganz vorne landen?

Mayer: Wir untersuchen viele verschiedene Faktoren. Darunter sind etwa Aktualität und Umfang des Inhaltes sowie die Verlässlichkeit der Quelle.

Netzeitung: Wie Sie selbst sagen findet die Nachrichtenauswahl «ohne Rücksicht auf den politischen Standpunkt oder Ideologie» statt. Was wollen Sie damit erreichen?

Mayer: Google News zeigt eine objektive Sichtweise, eine globale News-Perspektive. Damit werden die Nutzer zu besser informierten, gebildeteren Nachrichtenlesern.

Netzeitung: Ihre Quellen scheinen aber manchmal ein wenig «zu demokratisch» zu sein. So platzierten Sie neulich ausgerechnet ein Stück der iranischen Nachrichtenagentur «IRNA» zu den deutschen Wahlen ganz vorne.

Mayer: Wir versuchen, alle Quellen zu berücksichtigen. Weil die Google-News-Startseite häufig neu aufgebaut wird, ändern sich die Schlagzeilen und die verwendeten Quellen fast alle 15 Minuten.

Netzeitung: Schlagzeilen von Quellen aus undemokratischen Ländern nehmen Sie also auf?

Mayer: Wie ich bereits sagte, versuchen wir, alle Quellen zu berücksichtigen.

Netzeitung: Haben Sie eigentlich Verträge mit all den News-Sites, die Sie nutzen?

Mayer: Wir halten uns dabei an die Regeln der fairen Benutzung. [Was offenbar keine Verträge voraussetzt, Anm. d. Red.]

Netzeitung: Und wie geht es bei Google News weiter?

Mayer: Derzeit werten wir das Feedback der Nutzer aus. Dann entscheiden wir die nächsten Schritte für das Produkt.

Die Fragen stellte Ben Schwan.